Bayern treibt Krankenhausreform voran: Entscheidungen bis Jahresende
Bis zum Jahresende soll die Neuzuweisung der Leistungsangebote aller Krankenhäuser in Bayern abgeschlossen sein. Der Medizinische Dienst Bayern hat die interne Prüfung der rund 3.400 Anträge der Kliniken nahezu abgeschlossen. Auf dieser Grundlage wird das bayerische Gesundheitsministerium ab Herbst die Zuweisungsentscheidungen treffen, teilte die Staatskanzlei nach einer Kabinettssitzung in München mit. Bayernweit gibt es derzeit 258 allgemeine Klinikstandorte.
Leistungsgruppen bestimmen künftige Finanzierung
Mit den von der Bundesregierung neu eingeführten Leistungsgruppen wird festgelegt, welche medizinischen Leistungen künftig an welchem Krankenhaus noch von den gesetzlichen Krankenkassen finanziert werden. Gesundheitsministerin Judith Gerlach (CSU) betonte: „Wir kommen als Planungsbehörde jetzt in die heiße Phase.“ Es sei eine schwierige Lage für die Krankenhäuser, nun gelte es, die Leistungsgruppen zu verteilen. Die Krankenhäuser würden im August ihre Gutachten erhalten, in der Folge würden dann die Leistungsgruppen zugeteilt. Der Prozess werde aber auch nach dem Jahresende weitergehen, so Gerlach.
Fachkräftemangel und Zentralisierung
„Es ist wichtig, dass unsere Krankenhauslandschaft sich verändert, und zwar nicht nur in finanzieller Hinsicht, sondern auch personell“, sagte Gerlach. An den Kliniken fehlten viele Fachkräfte, weshalb durch Kooperation und Zentralisierung geschaut werden müsse, wie die Krankenhauslandschaft auch in zehn oder 20 Jahren noch funktioniere – „nicht nur finanziell, sondern eben auch durch fachliche Vorgaben, die damit einhergehen“. Ziel sei es, ein Netz zu spannen, damit die Menschen in zumutbarer Entfernung eine entsprechende medizinische Grund- und Notfallversorgung erhielten. Dies bedeute nicht immer nur ein möglichst kurzer Weg, sondern ein Weg, auf dem den Menschen auch geholfen werde. Dazu gehörten auch entsprechende Rettungsfahrzeuge und Hubschrauber.
Überkapazitäten abbauen – Klagen erwartet
Darüber hinaus gehe es auch darum, Überkapazitäten abzuschaffen, die man sich im Gesundheitssystem nicht mehr leisten könne. Als Beispiel nannte Gerlach die Endoprothetik, den Austausch zerstörter Gelenke wie Hüften oder Knie. Das werde nicht überall auf Zustimmung der Kliniken stoßen, sie rechne mit Klagen von Kliniken. Auf Nachfrage gab sie an, sie habe noch keine Anhaltspunkte dazu, wie viele Kliniken oder Fachabteilungen im Zuge der Neustrukturierungen geschlossen werden müssten. Sie sei aber sehr beruhigt, dass alle Kliniken im Grundversorgungsbereich entsprechende Anträge gestellt hätten, was zeige, dass es hier nicht zu Schließungen komme.
Entbürokratisierung und wirtschaftliche Stabilität
Gleichwohl gehe es in dem Verfahren darum, dass die Kliniken überleben könnten. In jedem Fall brauche es aber noch einen wirksamen „Entbürokratisierungshebel“, mit dem die Kliniken eigene Einsparungen vornehmen könnten. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) ergänzte: „Es wird Veränderungen geben.“ Der anstehende Prozess sei „kniffelig und herausfordernd, aber ich bin sicher, es wird am Ende funktionieren“. Ziel sei es, dass am Ende jeder die Versorgung erhalte, die er brauche, und die Krankenhäuser nicht mit Defiziten arbeiten müssten, sondern „wirtschaftlich solide, langfristig stabil sind“. Oberziel sei, „quasi eine Garantie abzugeben, dass Notfallversorgung in Bayern flächendeckend möglich ist und Spitzenmedizin in Bayern angeboten werden kann“.



