Die mit dem Iran verbündeten Huthi im Jemen haben eine Seeblockade gegen Saudi-Arabien verhängt und drohen, alle saudischen Schiffe anzugreifen, die die Meerenge Bab al-Mandab passieren. Diese Meerenge ist der südliche Zugang zum Roten Meer und hat in den vergangenen Monaten für den saudischen Ölexport stark an Bedeutung gewonnen. Hintergrund ist die Blockade der Straße von Hormus durch den Iran, die Saudi-Arabien dazu zwang, seine Ölausfuhren über den Hafen Yanbu am Roten Meer umzuleiten. Eine Schließung der Bab al-Mandab könnte den globalen Ölmarkt nun empfindlich treffen.
Bedeutung der Bab al-Mandab für den saudischen Ölexport
Seit die Straße von Hormus weitgehend blockiert ist, exportiert Saudi-Arabien mehr als vier Millionen Fass Rohöl pro Monat über Yanbu – vor dem Iran-Krieg waren es weniger als eine Million Fass. Rund zwei Drittel der saudischen Ölexporte werden über das Rote Meer und durch die Bab al-Mandab nach Asien verschifft. Diese Umleitung hat dazu beigetragen, dass der globale Ölmarkt trotz des seit fast fünf Monaten andauernden Iran-Kriegs relativ stabil blieb. Eine Blockade durch die Huthi könnte dies ändern.
„Jede nennenswerte Störung könnte Nordostasien einen seiner wichtigsten Rohöllieferanten entziehen“, warnt Sarah Raffoul, Senior-Analystin für Ölprodukte bei Argus Media. Dies hätte Folgewirkungen für die globalen Märkte für Rohöl und raffinierte Produkte. Der Rohölpreis ist bereits von etwas über 70 Dollar Anfang Juli auf mehr als 90 Dollar gestiegen, nachdem der Iran seine Blockade der Straße von Hormus verschärft und mehrere Öltanker angegriffen hatte. Eine Blockade der Bab al-Mandab könnte den Ölpreis laut einer Schätzung von JPMorgan um weitere 20 Dollar nach oben treiben.
Auswirkungen auf den deutschen Außenhandel
Für den deutschen Außenhandel hatte die Bab al-Mandab 2023 noch eine große Bedeutung: Laut einer Untersuchung des Ifo-Instituts wurden fast zehn Prozent der deutschen Importe durch diese Meerenge und weiter über das Rote Meer und den Suezkanal transportiert. Nach den Huthi-Angriffen auf Handelsschiffe im Roten Meer ab Herbst 2023 brach der Verkehr jedoch ein, und ein erheblicher Teil der Containerschiffe wurde um Afrika herum umgeleitet. Obwohl die Huthi ihre Angriffe im vergangenen Jahr einstellten, lag das Transitvolumen des Suezkanals 2025 bei weniger als der Hälfte des Niveaus von 2023. Eine erneute Angriffswelle der Huthi auf Handelsschiffe hätte daher wohl geringere Auswirkungen als noch vor einigen Jahren.
Mögliche Alternativrouten und deren Grenzen
Im Gegensatz zum Persischen Golf, der nur über die Straße von Hormus zugänglich ist, ist das Rote Meer auch durch den Suezkanal mit dem Mittelmeer verbunden. Zudem gibt es die Sumed-Pipeline, die Öl vom Roten zum Mittelmeer transportiert. Allerdings könnte Saudi-Arabien so bestenfalls einen kleinen Teil seiner Asien-Lieferungen nach Westen umleiten. Die Kapazität der Sumed-Pipeline ist bereits weitgehend ausgeschöpft, und der Suezkanal kann nur Schiffe passieren, die etwa halb so groß sind wie die Supertanker, die den Großteil der saudischen Ölexporte befördern.
Die Huthi haben nach eigenen Angaben die Blockade auf Bitten des Iran verhängt. Die iranische Führung soll die Miliz im Zuge der Eskalation des Kriegs zwischen den USA und dem Iran gebeten haben, den Schifffahrtsweg komplett zu sperren. Sollte die Blockade tatsächlich umgesetzt werden, könnte dies den globalen Ölmarkt massiv destabilisieren und die ohnehin hohen Ölpreise weiter in die Höhe treiben.



