Berliner Ärztekammer debattiert über Facharzt für Notfallmedizin
Berlin debattiert Facharzt für Notfallmedizin

An diesem Donnerstag entscheiden die 46 Delegierten der Berliner Ärztekammer über die Einführung eines Facharztes für Klinische Notfall- und Akutmedizin. Eine Mehrheit würde der Politik empfehlen, das Landes-Heilberufekammergesetz zu ändern, was voraussichtlich reibungslos abliefe. Dies wäre bundesweit ein Novum und hätte Signalwirkung für andere Bundesländer.

Debatte um Spezialisierung in Rettungsstellen

Im Kern geht es um die Frage, ob speziell für Rettungsstellen ausgebildete Ärzte die Versorgung in Notaufnahmen verbessern könnten. Gerade an Wochenenden, nach Massenveranstaltungen, bei Hitze oder Eisglätte sind Rettungsstellen überfüllt, die Wartezeiten lang. Patienten schildern ihre Beschwerden oft ungenau, manche sind berauscht, andere haben Sprachbarrieren. Häufig ist zunächst unklar, ob und welche Notfälle vorliegen.

Bislang gibt es für diese Arbeit keine eigene Facharztausbildung, sondern nur eine Zusatzweiterbildung. Berlin führte diese 2015 ein; später wurde sie bundesweit übernommen. Nun dringen viele Rettungsstellen-Mediziner auf den nächsten Schritt: ein formalisiertes Fachgebiet.

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Arbeitsgruppe berät seit zwei Jahren

Eine Arbeitsgruppe der Berliner Ärztekammer beriet fast zwei Jahre über die Sinnhaftigkeit eines eigenen Facharztes, der in komplexen Akutsituationen den Überblick behält. Viele Medizinverbände stimmen dagegen, da der Einsatz verschiedener Fachärzte in den Rettungsstellen sich bewährt habe. Anders als viele andere Disziplinen wären die Neuen nicht auf eine Körperregion spezialisiert, sondern auf die schnelle Einordnung akuter Fälle.

Derzeit gibt es 34 Fachärzte, von Allgemeinmedizinern bis Urologen. Mit Subspezialisierungen, insbesondere in der Chirurgie, sind es mehr als 50 Disziplinen. In Notaufnahmen arbeiten oft Internisten, Neurologen und Chirurgen.

Bundesweite Auswirkungen

Sollte Berlin diesen Facharzt einführen, hätte die Entscheidung praktische Folgen über die Hauptstadt hinaus: Die Qualifikation müsste in anderen Bundesländern anerkannt werden, wenn Berliner Ärzte dort tätig werden. In Berlin sind fast 36.000 Ärzte zugelassen. Die Delegiertenversammlung ist das Ärzteparlament der Kammer, in dem verschiedene Fraktionen vertreten sind, die politische und fachliche Strömungen repräsentieren.

Berliner Ärztekammer-Präsident ist Peter Bobbert, der für den Marburger Bund – die Gewerkschaft der Krankenhausärzte – antrat. Die Entscheidung der Delegierten wird mit Spannung erwartet.

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