Demenz eines Partners erhöht Risiko für den anderen um bis zu 74 Prozent
Demenz eines Partners erhöht Risiko für den anderen

Studie belegt erhöhtes Demenzrisiko für Ehepartner

Wenn bei einem Ehepartner eine Demenz diagnostiziert wird, steigt auch für den anderen das Risiko, später selbst zu erkranken. Das zeigt eine große Untersuchung aus Taiwan, die Daten von mehr als 955.000 verheirateten Menschen auswertete. Personen, deren Partner eine neue Demenzdiagnose erhielt, erkrankten später deutlich häufiger selbst an Demenz als Menschen mit gesundem Ehepartner. Bei Frauen lag das Risiko um 74 Prozent höher, bei Männern um 69 Prozent.

Absolute Zahlen verdeutlichen den Unterschied

Die absoluten Erkrankungszahlen untermauern den Trend: Von 100 Frauen mit einem demenzkranken Partner entwickelten innerhalb von fünf Jahren etwa sechs bis sieben selbst eine Demenz. In der Vergleichsgruppe waren es nur rund vier von 100. Bei Männern erkrankten etwa neun von 100 Betroffenen, verglichen mit knapp sechs von 100 in der Vergleichsgruppe.

Forscher betonen: Demenz betrifft den gesamten Haushalt

Studienautor Chi-Shin Wu von der National Taiwan University erklärte: „Demenz betrifft den gesamten Haushalt, nicht nur die Person, bei der die Diagnose gestellt wurde.“ Er betonte jedoch, dass das erhöhte Risiko nicht bedeute, dass Ehepartner zwangsläufig selbst erkranken. Die Studie wurde im Fachjournal „JAMA Network Open“ veröffentlicht.

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Methodik der Langzeitstudie

Für die Untersuchung verglichen die Forscher Menschen, deren Ehepartner zwischen 1998 und 2022 erstmals eine Demenzdiagnose erhalten hatte. Als Vergleichsgruppe dienten bis zu vier Personen mit gleichem Alter, Geschlecht, Einkommen und Wohnort. Dieses Design erlaubte es, den Einfluss des Partners auf das Demenzrisiko statistisch zu isolieren.

Mögliche Ursachen für den Zusammenhang

Die Forscher sehen mehrere mögliche Erklärungen für den beobachteten Zusammenhang. Ehepartner teilen oft über Jahrzehnte ähnliche Lebensgewohnheiten, Umweltbedingungen und gesundheitliche Risiken. Hinzu kommen Belastungen durch die Pflege des erkrankten Partners, Schlafmangel und Stress. Wu erläuterte: „Ähnliche Merkmale vor der Ehe und jahrzehntelang geteilte Lebensgewohnheiten schaffen wahrscheinlich ein gemeinsames Grundrisiko.“

Studie zeigt statistischen Zusammenhang, keine Kausalität

Die Studie kann jedoch keine Ursache-Wirkungs-Beziehung belegen. Es fehlten Angaben zu Faktoren wie Bildung, Ernährung, Bewegung, Rauchverhalten, sozialer Aktivität oder der tatsächlichen Belastung durch die Pflege. Die Ergebnisse zeigen daher einen statistischen Zusammenhang, nicht den direkten Auslöser für spätere Demenzerkrankungen. Weitere Forschung ist nötig, um die zugrundeliegenden Mechanismen zu klären.

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