Präsident Wolodymyr Selenskyj hat Armeechef Oleksandr Syrskyj (60) entlassen. Die Entscheidung fiel nach tagelangen Überlegungen und heftigen Protesten gegen die vorherige Entlassung von Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow (35). Selenskyj verkündete die Absetzung am Dienstagabend in einer Videoansprache über soziale Netzwerke.
Proteste eskalierten nach Fedorow-Entlassung
Nach Informationen aus dem Umfeld des Präsidenten hatte Selenskyjs engster Zirkel die Wucht der Proteste gegen die Entlassung Fedorows massiv unterschätzt. Tausende Demonstranten gingen in Kiew, Lwiw, Dnipro und Odessa auf die Straße. Ihre Forderungen: die Rückkehr Fedorows – und „Syrskyj raus!“. Der Ex-Minister warf Syrskyj vor, Selenskyj ein Ultimatum gestellt und seine Absetzung verlangt zu haben. Nach seinem Rauswurf beschuldigte Fedorow den General außerdem, Reformen im Verteidigungsministerium zu blockieren und Korruption zu begünstigen.
Syrskyjs umstrittene Bilanz
Syrskyj galt lange als einer der wichtigsten Militärs des Landes. Er spielte eine zentrale Rolle bei der Verteidigung Kiews und den erfolgreichen Gegenoffensiven des Jahres 2022. Gleichzeitig war der General auch innerhalb der Truppe umstritten. Kritiker warfen ihm vor, für militärische Erfolge hohe Verluste in Kauf zu nehmen. Zuletzt starben immer wieder ukrainische Rekruten in der Ausbildung unter ungeklärten Umständen.
Selenskyj scheiterte an Schlichtung
Das Verhältnis zwischen Minister Fedorow und General Syrskyj galt schon länger als zerrüttet. Wie tief der Konflikt tatsächlich ging, beschrieb Selenskyj selbst ungewöhnlich offen: „Ohne mich setzen sie sich nicht zusammen und sprechen miteinander.“ Er habe immer wieder versucht, Einigkeit herzustellen, sei damit aber gescheitert.
Nachfolger steht fest
Der Nachfolger steht bereits fest: Neuer Armee-Chef soll Mykhailo Drapatyi werden. Die Ernennung erfolgt vor dem Hintergrund des anhaltenden Krieges mit Russland und der Notwendigkeit, die ukrainischen Streitkräfte zu reformieren.



