Selenskyj entlässt Oberbefehlshaber Syrskyj
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat nach tagelangem Druck von Demonstranten Armeechef Olexander Syrskyj entlassen. Neuer Oberbefehlshaber werde Mychajlo Drapatyj, teilte Selenskyj auf Telegram mit. Die Entlassung erfolgt inmitten schwerer russischer Angriffe auf die Ukraine, bei denen am Wochenende zahlreiche Zivilisten getötet wurden. Demonstranten hatten Syrskyj vorgeworfen, nicht ausreichend gegen die russischen Offensiven vorzugehen.
Mindestens drei Tote bei russischem Angriff auf Saporischschja
Bei einem russischen Angriff mit einer gelenkten Fliegerbombe auf die südukrainische Stadt Saporischschja werden nach Angaben der regionalen Behörden mindestens drei Menschen getötet und mehr als ein Dutzend verletzt. Sieben Stockwerke eines neunstöckigen Wohnhauses stehen in Flammen, teilt die Militärverwaltung auf Telegram mit. Russland setzt in Frontnähe häufig derartige Bomben ein. Die Regierung in Moskau bestreitet, gezielt Zivilisten anzugreifen. Zuvor waren bereits bei einem Angriff auf Saporischschja am 19. Juli zwei Menschen getötet und 42 verletzt worden.
Russland sichert Benzinversorgung mit Lieferungen aus Sibirien
Russland stabilisiert die Treibstoffversorgung in der Region Moskau mit umgeleiteten Lieferungen aus Sibirien und verstärkten Importen aus Belarus. Damit reagieren die Behörden auf Engpässe bei Benzin und Diesel, die durch ukrainische Drohnenangriffe auf Raffinerien im ganzen Land verursacht wurden, wie mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters mitteilten. Die landesweite Benzinproduktion fiel Anfang Juli auf rund 65 Prozent des durchschnittlichen saisonalen Verbrauchs. Um die Produktionsausfälle auszugleichen, wurden Benzinlieferungen aus dem Ural und Sibirien sowie Importe aus Belarus in die Moskauer Region umgeleitet. Ein Händler erklärte, die Raffinerie Atschinsk in der sibirischen Region Krasnojarsk beliefere nun Moskau. Um die Nachfrage zu decken, hat Russland zudem begonnen, Treibstoff aus Indien und Kasachstan zu importieren. Während sich die Lage in Moskau entspannt hat, sind andere Teile Russlands weiterhin von Kraftstoffknappheit betroffen. Die annektierte Schwarzmeer-Halbinsel Krim leidet Händlern zufolge am stärksten darunter.
Aserbaidschan bestätigt deutsch-russisches Geheimtreffen in Baku
Am Rande seines Berlin-Besuchs hat Aserbaidschans Präsident Ilham Aliyev indirekt ein deutsch-russisches Geheimtreffen in der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku bestätigt. Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) berichtete Aliyev von entsprechenden Informationen seines Grenzschutzes. Demnach seien der ehemalige Brandenburger Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) und der frühere Kanzleramtschef Ronald Pofalla (CDU) am 12. Juli von Berlin nach Baku geflogen. An den Folgetagen seien dann der ehemalige russische Ministerpräsident Viktor Subkow und Russlands Menschenrechtsbeauftragter Waleri Fadejew angereist. Beide gelten als Vertraute von Kreml-Chef Wladimir Putin. Seit Tagen gibt es Berichte über einen solchen Termin, aber keine offizielle Bestätigung. Auch Merz sagte auf eine entsprechende Journalistenfrage: „Mir ist von einem solchen Treffen nichts bekannt.“ Aliyev betonte aber: „Wenn dieses Treffen zum Ende des Krieges zwischen Russland und der Ukraine beitragen sollte, können wir das nur begrüßen.“
UN: Mehr zivile Opfer durch Drohnenangriffe in der Ukraine
Das UN-Menschenrechtsbüro bezeichnet die wachsende Zahl von zivilen Opfern bei russischen Angriffen in der Ukraine als „schockierend“. Besonders auffällig sei der Anstieg von Attacken mit Drohnen, die über Videobrillen gesteuert werden, sagte die Leiterin des Büros in der Ukraine, Danielle Bell. Insgesamt seien durch russische Angriffe in den ersten sechs Monaten dieses Jahres 37 Prozent mehr Menschen getötet oder verletzt worden als im gleichen Zeitraum 2025. Das Büro registrierte knapp 2000 Tote und knapp 8000 Verletzte. In den ersten sechs Monaten seien durch Angriffe mit Drohnen, die über Videobrillen gesteuert werden, 2800 Menschen getötet oder verletzt worden, 65 Prozent mehr als im vergangenen Jahr. In vielen Grenzgebieten sei ein Gang zum Markt, mit dem Hund Gassi gehen, oder Gärten und Felder bewässern lebensgefährlich geworden, sagte der Sprecher des Büros in Genf.
Indien bestellt russischen Diplomaten nach tödlichem Angriff auf Frachter ein
Nach dem Tod von vier indischen Seeleuten bei einem Raketenangriff im Schwarzen Meer hat das Außenministerium in Neu-Delhi einen ranghohen russischen Diplomaten einbestellt. Der russische Geschäftsträger Wladimir Ladanow sei aufgefordert worden, Indiens „ernste Besorgnis“ nach Moskau zu übermitteln, teilt das Ministerium mit. Angriffe auf die zivile Schifffahrt und der Tod von Zivilisten seien „inakzeptabel“. Ukrainischen Angaben zufolge hatte Russland den unter der Flagge Guinea-Bissaus fahrenden Frachter „Golden Leo“ am Sonntag beim Verlassen eines ukrainischen Hafens mit drei Marschflugkörpern beschossen. Dabei seien zehn Menschen getötet worden, darunter die vier Inder.
IWF gibt weitere 690 Millionen Dollar für die Ukraine frei
Der Internationale Währungsfonds (IWF) macht den Weg frei für die sofortige Auszahlung von rund 690 Millionen Dollar an die Ukraine. Der IWF-Vorstand habe eine Überprüfung des Finanzierungsprogramms für das Land abgeschlossen, teilt der Fonds mit. Die Ukraine habe trotz des Krieges ihre Finanzstabilität aufrechterhalten können. Die wirtschaftlichen Aussichten hätten sich jedoch eingetrübt. Gründe dafür seien vor allem die verstärkten russischen Angriffe auf die kritische Infrastruktur sowie indirekte Auswirkungen des Krieges im Nahen Osten. Zudem habe sich die Umsetzung von Reformen verlangsamt. Die Ukraine wird mit einem Kreditprogramm in Höhe von 8,1 Milliarden Dollar unterstützt. Mit der jüngsten Freigabe steigen die bisherigen Auszahlungen auf etwa 2,2 Milliarden Dollar.
Ukraine greift Moskau mit 400 Drohnen an
Die Ukraine hat in der Nacht nach russischen Angaben Moskau und die umliegende Region mit 400 Drohnen angegriffen. Dabei seien zwei Menschen verletzt und Gebäude in Brand gesetzt worden, teilen russische Behörden mit. Der Bürgermeister der Hauptstadt, Sergej Sobjanin, erklärt, die meisten der feindlichen Drohnen seien bereits aus großer Entfernung unschädlich gemacht worden. 85 Drohnen seien beim Anflug auf Moskau zerstört worden. Dem Gouverneur der Region Moskau, Andrej Worobjow, zufolge konzentrierten sich die Schäden auf die Bezirke Podolsk, Domodedowo und Odinzowo. Das russische Verteidigungsministerium teilt mit, die Luftabwehr habe in der Nacht insgesamt 381 ukrainische Drohnen über russischen Regionen sowie dem Schwarzen und dem Asowschen Meer abgeschossen.
Weitere russische Angriffe und ukrainische Gegenwehr
Bei russischen Angriffen in der Ukraine sind am 21. Juli mindestens drei Menschen getötet worden. In Cherson wurde ein Mensch getötet, zwei weitere wurden verletzt. In Sumy wurden sechs Bewohner eines mehrstöckigen Hauses bei Drohnenangriffen verletzt, darunter vier Minderjährige. Die Ukraine meldete ihrerseits Angriffe auf russische Ölanlagen und Tanker. In der Region Stawropol brachen nach Angaben von Gouverneur Wladimir Wladimirow mehrere Brände in Industrieanlagen aus. Der ukrainische Präsident Selenskyj erklärte, die Ukraine setze ihre Angriffe auf russische Ölanlagen fort. Das Kaspische Pipeline-Konsortium (CPC) setzte nach Angriffen auf zwei Tanker vor der russischen Schwarzmeer-Küste die Ölverladung aus.



