Die Jugendherbergen in Mecklenburg-Vorpommern (MV) verzeichnen für die Sommermonate Juli und August 2026 einen deutlichen Buchungsrückgang. Statt 28.600 Übernachtungen wie im Vorjahr sind es nur noch 21.100 – ein Minus von rund 25 Prozent. Das teilte der Landesverband des Deutschen Jugendherbergswerks (DJH) mit. Verbandsvorstand Kai-Michael Stybel spricht von rund 1.200 Kindern und Jugendlichen weniger, die in die Ferienlager kommen.
Gründe für den Rückgang
Stybel führt mehrere Ursachen an. Zum einen spielten wirtschaftliche Faktoren eine Rolle. „Wir sind, auch wenn wir als gemeinnütziger Anbieter, als Verein organisiert sind, trotz allem ja auch ein mittelständisches Unternehmen, was 190 Beschäftigte hat und eine ganze Menge Kosten zu decken hat“, sagte er. Steigende Energie- und Personalkosten müssten in Form höherer Preise weitergegeben werden.
Ein Beispiel: Der DJH in MV organisiert selbst Sommerferienlager in Born auf dem Darß. Fünf Tage inklusive sozialpädagogischer Betreuung kosten normalerweise 550 Euro pro Teilnehmer. Dank Förderung des Deutschen Kinderhilfswerks können Kinder aus finanzschwachen Familien für 100 Euro teilnehmen. Dennoch zeigen die Kosten, dass sich viele Eltern die gestiegenen Preise nicht mehr leisten können.
Personalprobleme im Ehrenamt
Ein weiterer Faktor ist der Rückgang ehrenamtlicher Strukturen. 2025 fiel ein Sommerferienlager der Landesjugendfeuerwehr Mecklenburg-Vorpommern mit 650 Kindern aus, weil die Organisation strukturelle Schwierigkeiten hatte. „Und dann ist mal eben das Ferienlager für 650 Kinder abgesagt“, so Stybel.
Gesellschaftliche Bedeutung von Jugendfreizeiten
Stybel betont die gesellschaftliche Relevanz solcher Freizeiten: Sie ermöglichten Kindern und Jugendlichen den Zugang zu neuen Lebenswelten, geschützt und pädagogisch begleitet. Die Corona-Beschränkungen hätten gezeigt, welche negativen Auswirkungen der Entzug solcher Erfahrungen haben könne. „In der kindlichen und jugendlichen Entwicklung kommt es auf Kontinuität an. Das lässt sich nicht ausschalten und wieder einschalten.“
Außerschulische Freizeitangebote könnten eine wichtige Brücke bieten, Defizite ausgleichen und die Persönlichkeit stärken. „Das macht ja Jugendarbeit aus“, sagte Stybel.
Reaktion der Landesregierung
Schwerins Sozialministerin Stefanie Drese (SPD) zeigte sich besorgt. „Das ist ein allgemeiner, bundesweiter Trend, den wir beobachten müssen“, so die Ministerin. Die Gründe seien vielschichtig: die angespannte wirtschaftliche Lage, weniger Vereinsfahrten, weniger und kürzere Klassenfahrten sowie verändertes Buchungsverhalten von Familien.
Das Land habe seine finanzielle Unterstützung in den letzten Jahren ausgeweitet. Für 2026 und 2027 stünden zusätzliche Mittel von insgesamt bis zu 100.000 Euro für Kinder- und Jugendfreizeiten zur Verfügung. Damit könnten jährlich bis zu 350.000 Euro ausgegeben werden. Die Tagessätze für die Förderung betragen derzeit 10 Euro pro Kind. Drese möchte diese dauerhaft verankern. Eine Ferienfreizeit kostet laut Ministerium durchschnittlich 20 bis 35 Euro pro Teilnehmer und Tag.
Fördertopf ausgeschöpft
Alle Anträge für Förderungen in den bevorstehenden Sommerferien konnten bewilligt werden. Das Ministerium teilte jedoch mit: „Die Fördermittel sind für dieses Jahr nun ausgeschöpft.“
Langfristige Folgen für den Tourismus
Stybel sieht den Buchungsrückgang auch als Problem für den Tourismus in MV. Viele Gäste kämen zum ersten Mal an die Ostseeküste oder die Mecklenburgische Seenplatte. „So was bleibt ja drin, so was vergisst man nicht fürs Leben“, sagte er. „Ich will jetzt nicht vom ersten Kuss und so weiter sprechen, aber auch das findet in unseren Häusern statt.“ Solche emotionalen Erlebnisse blieben haften. Wenn junge Menschen wegblieben, fehlten sie möglicherweise später als Urlauber in Mecklenburg-Vorpommern.



