Der Streit zwischen den AfD-Bundestagsabgeordneten Matthias Helferich und Knuth Meyer-Soltau eskaliert: Beide haben nach dem Landesparteitag der nordrhein-westfälischen AfD gegeneinander Strafanträge gestellt. Helferich wirft Meyer-Soltau Körperverletzung vor, während dieser seinerseits wegen Verleumdung klagt.
Vorwurf der Körperverletzung
Helferich behauptet, Meyer-Soltau habe ihn während des Parteitags am vergangenen Wochenende körperlich attackiert. „Knuth Meyer-Soltau schritt durch meine Sitzreihe. Er führte ein Streitgespräch mit einem anderen Mitglied. Als er sich umdrehte, rempelte er mich auf meinem Stuhl sitzend an und schrie ›Halt deine Fresse, du dummes Arschloch!‹“, sagte Helferich der „Welt“. Er schließt eine vorsätzliche Attacke nicht aus: „Ich weiß nicht, ob er mich vom Stuhl stoßen wollte. Da er mich aber wutschnaubend beschimpfte, schließe ich eine vorsätzliche Attacke nicht aus.“
In seinem Strafantrag, der der „Welt“ vorliegt, heißt es: „Herr Meyer-Soltau stieß vorsätzlich oder fahrlässig massiv gegen meinen Stuhl und Oberkörper, sodass ich mich nur durch das Festhalten an der Tischkante vor einem Sturz bewahren konnte.“ Helferich benennt zwei Zeugen. An die Parteispitze schreibt er: „Da es im Rahmen der Landeswahlversammlung zu einer Fülle solcher Vorfälle kam, die wahlrechtlich relevant sein könnten, sehe ich den Bundesvorstand in der Pflicht, die Ordnung der Partei zu verteidigen.“
Gegenantrag wegen Verleumdung
Meyer-Soltau weist die Vorwürfe entschieden zurück und hat seinerseits Strafantrag gegen Helferich gestellt – wegen Verleumdung. In einem Schreiben seines Rechtsanwalts an die Staatsanwaltschaft Dortmund heißt es: „Der Vorwurf eines tätlichen Angriffs ist in höchstem Maße ehrenrührig und geeignet, den Ruf meines Mandanten in der Öffentlichkeit nachhaltig zu schädigen sowie ihn gesellschaftlich zu diskreditieren.“ Der Anwalt fordert Helferich auf, die Behauptung zu unterlassen und eine strafbewehrte Unterlassungsverpflichtungserklärung abzugeben.
Gegenüber der „Welt“ betont Meyer-Soltaus Anwalt: „Mein Mandant hat Sie zu keinem Zeitpunkt beschimpft oder körperlich angegriffen.“ Die Staatsanwaltschaft Dortmund wird nun ermitteln müssen, ob es zu einer Anklage kommt.
Hintergrund: Helferich in der AfD umstritten
Matthias Helferich gilt innerhalb der AfD als höchst umstritten. Er war bereits mehrfach mit rechtsextremen Äußerungen aufgefallen und entging nur knapp einem Parteiausschluss. Der Vorfall auf dem Landesparteitag ist ein weiteres Zeichen für die tiefen Gräben in der nordrhein-westfälischen AfD. Die Partei hatte zuletzt mit internen Querelen zu kämpfen, die auch die Arbeit im Bundestag beeinträchtigen.
Der Landesparteitag fand am vergangenen Wochenende statt und war von hitzigen Debatten geprägt. Neben dem Streit zwischen Helferich und Meyer-Soltau gab es Berichten zufolge weitere Auseinandersetzungen. Die genauen Hintergründe sind noch unklar, doch die gegenseitigen Strafanträge zeigen, wie verhärtet die Fronten sind.



