Nato-Generalsekretär Mark Rutte hat die jüngsten US-Militärschläge gegen den Iran als „absolut notwendig“ bezeichnet. Bei einem Nato-Gipfel in Ankara sagte Rutte, die USA hätten entschlossen auf iranische Angriffe auf Tanker in der Straße von Hormus reagieren müssen. „Wenn Iran gegen den Waffenstillstand verstößt, wie man dies mit Angriffen auf Schiffe gesehen hat, ist eine entschiedene Reaktion der USA unerlässlich“, erklärte der Nato-Chef.
US-Militär greift über 80 Ziele an
Das US-Militär hat nach eigenen Angaben insgesamt mehr als 80 Ziele im Iran attackiert und die Angriffe inzwischen für beendet erklärt. Laut dem Regionalkommando Centcom wurden unter anderem Luftabwehrsysteme, Schiffsabwehrraketen und über 60 Boote der Revolutionsgarden in oder nahe der Straße von Hormus getroffen. Ziel sei es gewesen, die Fähigkeit des Irans zu beeinträchtigen, den Schiffsverkehr in der strategisch wichtigen Meerenge zu stören.
Medienberichten zufolge waren die Angriffe diesmal deutlich stärker als vor rund anderthalb Wochen. „Axios“ zitierte einen US-Regierungsbeamten mit der Einschätzung, die Attacken seien vier- bis fünfmal heftiger gewesen. Iranische Medien meldeten Explosionen in der Hafenstadt Sirik, auf der Insel Qeschm und in der Großstadt Bandar Abbas. Nach Angaben des iranischen Senders Press TV wurden mehrere Menschen verletzt.
Iran droht mit entschlossener Antwort
Der Iran hat umgehend mit Vergeltung gedroht. Das iranische Oberkommando der Streitkräfte erklärte, man werde „entschlossen auf diese Aggression und diesen terroristischen Akt reagieren“. „Unter keinen Umständen werden die iranischen Streitkräfte eine Einmischung in Angelegenheiten der Straße von Hormus zulassen oder anderen gestatten, sie zu kontrollieren“, hieß es weiter.
Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf schrieb auf der Plattform X: „Die Zeit der Einschüchterung und Erpressung ist vorbei. Sie führt zu nichts. Wir knicken nicht ein.“ Auch Außenminister Abbas Araghchi betonte, dass Verhandlungen über ein endgültiges Abkommen mit den USA nicht beginnen würden, solange die Drohungen aus Washington andauerten.
Raketenalarm in Kuwait und Bahrain
Nach den US-Angriffen auf Ziele im Iran haben Kuwait und Bahrain ihre Luftabwehr aktiviert. Das kuwaitische Militär teilte mit, man habe die Luftabwehr in Alarmbereitschaft versetzt. Bahrain meldete Sirenengeheul und rief die Einwohner auf, ruhig zu bleiben und sich in Sicherheit zu begeben. Unbestätigten Berichten zufolge kam es in Bahrain zu mehreren Explosionen. Zunächst gab es keine Angaben zu getroffenen Zielen oder Opfern.
Beide Länder waren bereits zuvor Ziel iranischer Angriffe im Zusammenhang mit den Spannungen um die Übergangsvereinbarung zwischen dem Iran und den USA zur Beendigung des Krieges.
Hintergrund: Angriffe auf Tanker in der Straße von Hormus
Auslöser der jüngsten Eskalation waren Attacken auf drei Handelsschiffe in der Straße von Hormus. Nach Angaben der britischen Seefahrtsbehörde UKMTO waren in den vergangenen Tagen drei Tanker von unbekannten Projektilen getroffen worden. Besondere Aufmerksamkeit erregte der Angriff auf den katarischen Flüssiggas-Tanker „Al Rekayyat“, der auf der omanischen Seite der Meerenge getroffen wurde und in Brand geriet. Die Besatzung wurde evakuiert. Katar bestellte den iranischen Vize-Botschafter ein und machte den Iran für den Angriff „rechtlich voll verantwortlich“.
Die USA hatten den Iran für die Angriffe verantwortlich gemacht und die Attacken als klaren Bruch der Waffenruhe bezeichnet. Zuvor hatte das US-Finanzministerium eine Ausnahmegenehmigung für iranische Ölexporte widerrufen, was zu einem Anstieg der Ölpreise um mehr als drei Prozent führte.
Diplomatische Reaktionen und Lage in der Region
Israelische Streitkräfte meldeten unterdessen die Tötung eines Hisbollah-Mitglieds im Südlibanon nach einem Schusswechsel. Die Armee erklärte, man werde weiterhin Maßnahmen ergreifen, um Bedrohungen für die Truppen zu beseitigen. Bundesaußenminister Johann Wadephul warnte bei einem Besuch in Israel vor einer Schwächung der Palästinensischen Autonomiebehörde und forderte die Freigabe von Steuergeldern durch Israel.
Der französische Präsident Emmanuel Macron traf als erster westeuropäischer Staatschef seit dem Sturz von Baschar al-Assad in Syrien ein. Sein Besuch fand im Vorfeld des Nato-Gipfels in Ankara statt, an dem auch der syrische Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa erwartet wird.
Die erneute militärische Eskalation zwischen den USA und dem Iran gefährdet die seit Wochen stockenden Verhandlungen über ein Ende des Krieges. Das im vergangenen Monat geschlossene Rahmenabkommen, das Raum für intensive Gespräche schaffen sollte, steht durch die jüngsten Angriffe massiv unter Druck.



