KI kann Prävention billiger und einfacher machen, sagt Hendrik Streeck
KI kann Prävention billiger und einfacher machen

Kann künstliche Intelligenz (KI) Krankheiten erkennen, bevor Symptome auftreten? Und kann sie die Gesundheitsversorgung verbessern? Diese Fragen standen im Mittelpunkt der ersten Ausgabe von „BILD im Gespräch – Gesundheitsvorsorge und KI“, die am Montag im Axel-Springer-Hochhaus in Berlin stattfand. Führende Experten aus Politik, Medizin und Gesundheitswirtschaft diskutierten über die Chancen von KI in der Vorsorge, den Umgang mit sensiblen Gesundheitsdaten und die Zukunft einer besseren, schnelleren und bezahlbareren Medizin.

STADA Health Report: Deutsche sind offen für digitale Prävention

Zum Auftakt präsentierte STADA exklusive Einblicke aus dem deutschen Teil des aktuellen „Health Reports“. Die Studie zeigt, welche Rolle Prävention und digitale Innovationen für die Gesundheit der Deutschen spielen. Ein zentrales Ergebnis: Die Bereitschaft, persönliche Gesundheitsdaten zu teilen, ist vorhanden, doch viele Menschen sind noch unsicher, wie diese Daten genutzt werden.

Prof. Hendrik Streeck: KI kann aus pauschalen Werten Zusammenhänge herstellen

Prof. Dr. Hendrik Streeck, Sucht- und Drogenbeauftragter der Bundesregierung, hob die Möglichkeiten der Prävention durch KI hervor. „Medizin ist insgesamt enorm präzise und genau geworden, aber wenn wir über Prävention reden, dann sind wir erstaunlich pauschal“, sagte der Wissenschaftler. Die Stärke der Künstlichen Intelligenz liege darin, aus pauschalen Einzelwerten einen Zusammenhang herzustellen, der der Vorsorge dient. „Kein einzelner Wert löst einen Alarm aus. Erst der Zusammenhang, erst der gesamte Verlauf, ist das Alarmierende, und da besteht in meinen Augen der präventive Nutzen von künstlicher Intelligenz und digitalen Anwendungen.“

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Digitale Anwendungen könnten über längere Zeiträume Daten erfassen, die dann von einer KI analysiert werden. „Die KI kann dann sehr konkrete Hinweise geben, ob das persönliche Risiko für bestimmte Krankheiten gerade steigt und konkrete Empfehlungen zur Vorsorge geben.“

Kritik: KI kennt den Menschen nicht

Streeck wies jedoch auch auf eine Grenze hin: Die KI kenne den Menschen nicht und könne nur Werte analysieren, aber nicht einbeziehen, ob eine Patientin vielleicht schwanger sei oder ein Patient seine Mutter verloren habe und deshalb bestimmte Werte aus dem Gleichgewicht gerieten. Dennoch sieht er eine wichtige Bedeutung für KI in der Suchtprävention: „Ich hoffe wirklich, dass wir mit künstlicher Intelligenz Kipppunkte früher erkennen können.“ Damit meint er die Momente, in denen sich aus einer Ersatzhandlung eine Sucht entwickelt.

Abschließend betonte Streeck: „Ich glaube, dass gerade die künstliche Intelligenz eine Handreichung sein kann, Prävention einfacher und billiger über digitale Anwendungen oder Smartwatches zu verankern. Das beste Gesundheitssystem ist nicht das mit den meisten Behandlungen, sondern am Ende das mit den gesündesten Menschen.“

Paneldiskussion: Wie KI die Prävention verändern kann

Im Anschluss diskutierte BILD-Ressortleiterin Stefanie May mit weiteren Experten: Prof. Dr. med. Carolin Victoria Schneider (Juniorprofessorin für Prävention und Genetik, RWTH Aachen), Dr. Markus Blumenthal-Beier (Co-Bundesvorsitzender, Hausärztinnen- und Hausärzteverband), Dr. Wiebke Löbker (Abteilungsleiterin Innovationsmanagement BfArM) und Dr. Martin Krasney (Vorstand im GKV-Spitzenverband). Die Runde erörterte, wie Künstliche Intelligenz Prävention grundlegend verändern kann – und was das konkret für Patienten, Versorgung und Kosten bedeuten könnte.

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