Legionellen sind natürliche Bestandteile von Wasserquellen und Leitungen, können aber unter bestimmten Bedingungen zu einer ernsthaften Gesundheitsgefahr werden. Besonders gefährdet sind Menschen mit geschwächtem Immunsystem, über 70-Jährige, Raucher und Personen mit Vorerkrankungen. Männer erkranken zwei- bis dreimal häufiger als Frauen.
Was sind Legionellen und wie vermehren sie sich?
Die Bakterien kommen von Natur aus in Gewässern und Grundwasser vor. Meist leben sie in einzelligen Organismen. Wenn diese platzen, setzen sie viele Legionellen frei, die sich bei Temperaturen zwischen 25 und 45 Grad optimal vermehren. Zum Schutz vor Umwelteinflüssen siedeln sie sich oft in Biofilmen an. „Legionellen im Wasser verursachen zunächst keine Probleme – sie gehören einfach zum natürlichen Wasserinhalt“, sagt Iris Chaberny, Direktorin des Instituts für Krankenhaus- und Umwelthygiene an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Im Haushalt siedeln sich die Bakterien gerne in aufgerauten Wasserrohren an, besonders wenn das Wasser länger stillsteht.
Gefährliche Unterart: Legionella pneumophila
Gefährlich sind Legionellen im Trinkwasser nicht unbedingt. „Sie zeigen lediglich an, dass das Wasser möglicherweise längere Zeit gestanden hat, wodurch sich die Bakterien in dieser Zeit vermehren konnten“, erklärt Chaberny. Bislang seien etwa 60 verschiedene Arten bekannt, gefährlich sei vor allem eine Untergruppe: Legionella pneumophila. Dieses Bakterium kann von einem leichten grippalen Infekt bis hin zu einer schweren Lungenentzündung, der Legionärskrankheit, führen. Während der Infekt oft unbemerkt bleibt, kann die Lungenentzündung tödlich enden.
Legionärskrankheit: Historischer Fall und heutige Risiken
Erstmals beobachteten Mediziner die Legionärskrankheit 1976 in den USA. Bei einem Veteranentreffen erkrankten mehr als 180 Menschen an einer von Legionellen verursachten Lungenentzündung. Auslöser war eine mit Trinkwasser befeuchtete Klimaanlage. „Heute wird in solchen Systemen kein Trinkwasser mehr verwendet“, beruhigt Chaberny. Moderne Klimaanlagen und Luftbefeuchter arbeiten mit Dampf aus abgekochtem Wasser. Dennoch besteht weiterhin ein Infektionsrisiko, insbesondere während des Urlaubs. Die Bakterien gelangen durch das Einatmen feiner Tröpfchen oder Aerosole in die Lunge, etwa beim Duschen oder in Whirlpools. „Ein Beispiel sind Campingplätze, wo das Wasser in oberirdischen Kunststoffschläuchen länger in der Sonne stehen kann“, sagt Chaberny. „Wer mit diesem Wasser duscht, atmet möglicherweise Legionellen ein.“
Zahlen und Meldepflicht in Deutschland
In Deutschland muss eine Legionellen-Erkrankung beim Gesundheitsamt gemeldet werden. Das Robert Koch-Institut registrierte 2024 insgesamt 2741 solcher Legionellosen. Experten warnen vor einer höheren Dunkelziffer, da nicht jede Lungenentzündung auf Legionellen getestet wird. Bei 5 bis 10 Prozent der Patienten verläuft die Erkrankung tödlich. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist bislang nicht bekannt.
Vorbeugung: Regelmäßiges Spülen und richtige Temperaturen
Die beste Methode zur Vermeidung von Legionellen ist das regelmäßige Spülen der Leitungen. „Leider bedeutet das auch, auf das Wassersparen zu verzichten“, betont Chaberny. Nach einem Urlaub oder mehrtägiger Abwesenheit sollte das in den Leitungen stehende Wasser abgelassen werden. Dazu werden alle Wasserhähne aufgedreht, bis frisches, kaltes Wasser kommt. Da Legionellen über Wasserdampf in die Lunge gelangen, ist dies besonders in der Dusche wichtig. Es reicht aus, die Duschleitungen einige Minuten mit heißem Wasser durchzuspülen. Das Fenster sollte dabei offen stehen, damit der Dampf abziehen kann. Auch bei Trinkwasserhähnen ist eine Spülung ratsam, da die Bakterien beim Schlucken in die Lunge gelangen können.
Wassertemperatur und Tests
Die Wassertemperatur im Haushalt sollte nicht zu niedrig eingestellt sein. Ab 55 Grad Celsius vermehren sich Legionellen nicht mehr, ab 60 Grad sterben sie ab. Allerdings können Temperaturen über 60 Grad langfristig die Leitungen beschädigen, so Chaberny. Daher gilt: Im Warmwasserspeicher sollte die Temperatur mindestens 60 Grad betragen, in den Leitungen 55 Grad. Zusätzliche Sicherheit bieten regelmäßige Tests. Hausbesitzer sollten ihre Leitungen alle paar Jahre überprüfen lassen. In Mietshäusern müssen die Leitungen nach der Trinkwasserverordnung in der Regel alle drei Jahre auf Legionellen untersucht werden. Der Nachweis von Legionellen bedeutet nicht automatisch eine Erkrankung – in den meisten Fällen kommen die Bakterien in unserer Umgebung vor, ohne dass wir sie bemerken.



