Thorsten Frei: Neuer Fraktionschef der Union – Steckbrief zum CDU-Politiker
Thorsten Frei: Steckbrief zum neuen CDU-Fraktionschef

Thorsten Frei, bisher Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramts, soll neuer Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion werden. Der Vorschlag kam von CDU-Chef Friedrich Merz und CSU-Chef Markus Söder. Frei tritt damit die Nachfolge von Jens Spahn an, der das Amt bisher innehatte. Der 52-jährige Jurist aus Baden-Württemberg sitzt seit 2013 im Bundestag und galt lange als enger Vertrauter von Merz. Nun rückt er ins Zentrum der Fraktionsführung.

Frühe Jahre und Ausbildung

Thorsten Frei wurde am 8. August 1973 in Bad Säckingen geboren. Er wuchs in einer römisch-katholischen Familie auf; sein Vater war Polizist, seine Mutter Industriekauffrau. Nach dem Abitur am Scheffel-Gymnasium 1993 leistete er Grundwehrdienst bei der Deutsch-Französischen Brigade. Anschließend studierte er Rechtswissenschaften an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, das er 1999 mit dem Ersten Staatsexamen abschloss. Nach dem Referendariat am Landgericht Waldshut-Tiengen bestand er 2001 das Zweite Staatsexamen.

Beruflicher Werdegang

Von 2001 bis 2002 arbeitete Frei als Rechtsanwalt in Waldshut-Tiengen. 2002 wechselte er als Regierungsrat ins Staatsministerium Baden-Württemberg und wurde persönlicher Referent des Staats- und Europaministers Christoph Palmer. Seine politische Karriere begann auf kommunaler Ebene: Von 1999 bis 2004 war er CDU-Fraktionsvorsitzender im Gemeinderat von Bad Säckingen. 2004 wurde er zum Oberbürgermeister von Donaueschingen gewählt und 2012 mit 99,4 Prozent der Stimmen im Amt bestätigt. Seit 2007 ist er stellvertretender Landesvorsitzender der CDU Baden-Württemberg, seit 2017 Kreisvorsitzender der CDU Schwarzwald-Baar.

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Einzug in den Bundestag und Aufstieg

2012 nominierten die Christdemokraten Frei als Direktkandidaten für den Bundestagswahlkreis Schwarzwald-Baar. Bei der Bundestagswahl 2013 gewann er mit 56,7 Prozent der Erststimmen das Direktmandat und gab sein Amt als Oberbürgermeister auf. 2017 erzielte er mit dem zweitbesten Stimmenergebnis in Baden-Württemberg erneut das Direktmandat. Im Bundestag war Frei Mitglied des Auswärtigen Ausschusses und des Ausschusses für Angelegenheiten der Europäischen Union. Von 2018 bis 2021 fungierte er als stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion mit Zuständigkeit für Recht, Verbraucherschutz und Innenpolitik. Zudem leitete er die Deutsch-Schweizerische Parlamentariergruppe und das Kuratorium der Bundeszentrale für politische Bildung.

Bei der Bundestagswahl 2021 sicherte sich Frei mit 36,4 Prozent der Stimmen erneut das Direktmandat. Die Fraktion wählte ihn zum Ersten Parlamentarischen Geschäftsführer. Auch 2025 holte er mit 42,3 Prozent das Direktmandat. Im Kabinett Merz wurde er Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramts. Im Juli 2026 schlugen Merz und Söder ihn offiziell als neuen Fraktionsvorsitzenden vor.

Privatleben

Thorsten Frei ist seit 2007 mit Katharina Frei verheiratet, einer Lehrerin für Englisch und Französisch. Das Paar hat drei Kinder – zwei Töchter und einen Sohn – und lebt in Donaueschingen, Baden-Württemberg.

Politische Positionen und Kontroversen

Frei gilt als Vertreter eines konservativen, ordnungspolitisch orientierten Flügels der CDU. In der Migrationspolitik fordert er einen strengen Kurs: „Zur Begrenzung illegaler Migration gehören auch Zurückweisungen an der Grenze, die wir mit unseren Nachbarn abstimmen“, betonte er. Asylverfahren sollten in dem Land stattfinden, in dem der Asylsuchende erstmals europäischen Boden betritt. Im Sommer 2023 sorgte Frei mit einem Gastbeitrag in der FAZ für Aufsehen, in dem er die Abschaffung des individuellen Rechts auf Asyl forderte. Stattdessen plädierte er für eine „Institutsgarantie“ mit jährlich festgelegten Kontingenten von 300.000 bis 400.000 Schutzbedürftigen, die direkt aus dem Ausland aufgenommen werden sollten. Der Vorstoß stieß auf breite Kritik, auch aus den Reihen der CDU. Die damalige Integrationsbeauftragte Reem Alabali-Radovan (SPD) bezeichnete die Idee als „brandgefährlich und geschichtsvergessen“. Ins CDU-Parteiprogramm fand der Vorstoß keinen Eingang, zurückgenommen hat Frei ihn jedoch nicht.

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Zum Umgang mit der AfD vertritt Frei eine klare Linie: „Wir werden politisch alles tun, um die AfD zu bekämpfen. Die AfD ist keine normale Partei.“ Gleichzeitig zweifelt er an der Wirksamkeit von Einschränkungen im parlamentarischen Ablauf, wie dem Verzicht auf gemeinsame Abstimmungen. Ob dies erfolgreich war, „lässt sich sicherlich bestreiten“, so Frei.

In der Innenpolitik betont Frei die zentrale Rolle der Polizei für den Rechtsstaat. Er kritisierte die Beweislastumkehr im Berliner Antidiskriminierungsgesetz, die seiner Ansicht nach Polizisten der Willkür aussetze. Für die Terrorabwehr fordert er „Onlinedurchsuchung oder die Auswertung der Videoüberwachung mit Mitteln der Gesichtserkennung und der künstlichen Intelligenz“, wie er der „Augsburger Allgemeinen“ sagte.