Patrice Aminati (31) kämpft mit unheilbarem schwarzem Hautkrebs im Endstadium. Die Moderatorin und Influencerin wird palliativ behandelt und lebt seit Ende letzten Jahres mit ihrer fast vierjährigen Tochter in der Anliegerwohnung ihrer Eltern nahe Dresden. Trotz der schweren Diagnose zeigt sie sich in der Öffentlichkeit oft strahlend – doch hinter der Fassade verbirgt sich ein täglicher Kampf gegen Schmerzen, Erschöpfung und Ängste.
„Ring of Courage“ für ihren Einsatz
Bei der Berliner Krebs-Messe Yes!Con wurde Patrice Aminati mit dem „Ring of Courage“ ausgezeichnet. Die Ehrung würdigt ihr Engagement für die Enttabuisierung von Krebs und ihren Einsatz für Aufklärung und Prävention. „Das ist natürlich eine ganz große Ehre“, sagt sie im Gespräch mit dieser Redaktion. „Meine Vorbilder – eine Manuela Schwesig, eine Elena Semechin – solche starken Frauen, die sich einsetzen. Dass ich mich da einreihen darf, ist eine wunderbare Auszeichnung.“ Für sie sei dies auch ein Stellvertreterpreis für die Enttabuisierung des Themas Krebs. Auf ihrem Account seien 33 Millionen Menschen unterwegs, was die gesellschaftliche Relevanz zeige.
Fatigue und Metastasen: Der Alltag mit der Krankheit
Aminati beschreibt ihren Alltag als von Fatigue geprägt: „Ich wache auf und bin schon müde, ausgebrannt. Ich habe Gliederschmerzen und bin unkonzentriert.“ Durch Medikamente komme ein Taubheitsgefühl in den Händen hinzu. Die vielen Hirnbestrahlungen hätten Ödeme und Wassereinlagerungen verursacht, sodass sie seit Längerem kein Auto mehr fahren könne. „Nun bin ich auf meine Familie angewiesen“, erklärt sie. Ihre Mutter bringe ihr morgens Kaffee und fahre sie zur Uniklinik.
Die Metastasen haben sich in vielen Organen ausgebreitet: Leber, Nebenniere, Lunge, Haut, am Auge und Sehnerv, im Gehirn und in den Knochen. Seit drei Jahren suchen die Ärzte nach der passenden Therapie. Derzeit nehme sie Tabletten, die das Metastasenwachstum stoppen – „wie eingefroren“. Die Sorge bleibe jedoch, dass der Körper eine Resistenz bilde. Die Ärzte spielten auf Zeit, in der Hoffnung auf eine baldige, wirksame Therapie.
Die psychische Belastung: Ungewissheit und Albträume
Die Ungewissheit werde mit der Zeit schwerer. „Der Weg dauert einfach schon so lange an. Das ist wie ein Dauerlauf“, sagt Aminati. Der Körper sei erschöpft, sie habe Hunderte Blutabnahmen hinter sich. „Am Anfang denkt man immer, es ist nur ein kleiner Pieks, und jetzt wird mir schon schlecht, wenn ich das Gebäude betrete. Man merkt: Der Körper weigert sich mit jeder Zelle, weiterzumachen.“ Die Therapie sei zwar ein Segen, aber die Müdigkeit und Traurigkeit nähmen zu.
Die Nähe zur Familie gebe ihr Kraft, sei aber aus der Not geboren. Früher habe sie in Potsdam und auf Mallorca gelebt, sei verheiratet gewesen. Die Abhängigkeit sei eine große Umstellung. „Aber ich habe so eine tolle Familie, wir hatten schon immer ein sehr enges Band miteinander.“ Die Ängste der Mutter seien manchmal noch schwerer zu tragen.
Trennung von Daniel Aminati: Der Körper entschied
Patrice Aminati lebt im Trennungsjahr von ihrem Ex-Mann Daniel Aminati. Die Trennung sei im Autopilot-Modus passiert. „Ich bin jemand, der sehr stark liebt und der auch sehr festhält. Ich habe Werte, dass eine Familie zusammenbleibt, dass man lange für eine Sache kämpft und alles gibt. Das habe ich jahrelang getan – mit Herz und mit Überzeugung, weit über meine Kraft hinaus. Dabei habe ich meinen Körper und meine innere Stimme komplett ignoriert. Bis mein Körper mir gezeigt hat: Jetzt ist Schluss.“ Die Krankheit habe ihr einen inneren Seismografen gegeben, der zeige, welche Energie ihr guttue.
Auf die Frage nach der Prognose ihrer Ärztin sagt Aminati: „Wenn ich meine Professorin nach einer Prognose frage, wendet sie den Blick ab und ich merke, dass ihr Tränen in die Augen steigen. Dieser Blick sagt mir alles. Was sie mir aber sagt, ist: Wir gehen von Tag zu Tag, von Stunde zu Stunde. Und daran halten wir uns fest.“
Kraftquellen: Familie und sinnstiftende Aufgaben
Trotz allem nimmt Aminati an Veranstaltungen teil und spricht mit Menschen. Die Kraft dafür schöpfe sie aus der Geborgenheit zu Hause und aus medikamentöser Unterstützung: Kortison, Tabletten gegen Übelkeit und Schmerzen. „Wenn ich auf einer Veranstaltung bin, wird auch Adrenalin freigesetzt und ich bin fokussiert und konzentriert. Es gibt mir auch wahnsinnig viel, unter Menschen zu sein. Weil ich danach, wenn ich im Bett liege, von den Gesprächen zehre.“
An Tagen ohne Termine seien nur die ersten Stunden schön, dann beginne die Reflexion und Traurigkeit. „Ich will gebraucht werden. Ich möchte sinnstiftend etwas tun. Dann schlafe ich auch besser.“ Die Nächte seien von Albträumen geprägt, in denen Metastasen wie Blasen an die Körperoberfläche kämen. Nach einem erfüllten Tag schlafe sie ruhiger.
Der Umgang mit der Tochter
Ihre fast vierjährige Tochter reagiere einfühlsam: „Sie merkt natürlich, wenn es mir nicht gut geht und sagt dann: ‚Ich kümmere mich jetzt um dich.‘“ Aminati erkläre ihr: „Mama muss jetzt weinen, aber es hat nichts mit dir zu tun. Es ist nicht deine Schuld.“ Manchmal ärgerten sie sich gemeinsam oder brüllten wie ein Löwe im Auto. „Es ist so schön, wenn man dann wieder gemeinsam lachen kann.“



