Mit dem GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz, einem Sparpaket für die gesetzlichen Krankenkassen, drohen Psychotherapeuten in Berlin erhebliche Einschnitte. Die Psychotherapeutenkammer Berlin (PtK Berlin) befürchtet, dass die ohnehin langen Wartezeiten auf einen Therapieplatz noch weiter steigen könnten. Eva Schweitzer-Köhn, Präsidentin der PtK Berlin, bezeichnete die geplanten Änderungen als „Zumutung“.
Hintergrund des Gesetzes
Das Bundesgesundheitsministerium begründet das Gesetz mit einem starken Anstieg der Ausgaben für Psychotherapie. Diese hätten sich in den vergangenen zehn Jahren auf 3,9 Milliarden Euro pro Jahr (2025) fast verdoppelt. Ziel des Beitragssatzstabilisierungsgesetzes sei es, Beitragserhöhungen bei den Krankenkassen zu verhindern. Kritiker bemängeln jedoch, dass trotz einer Zunahme der Psychotherapeutenzahl die Wartezeiten nicht kürzer geworden seien. Laut einer Auswertung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung warten gesetzlich Versicherte im Schnitt 142 Tage auf den Beginn einer Therapie.
Änderungen bei der Honorierung
Im Rahmen des Gesetzes wird die Vergütung der Psychotherapie grundlegend umgestellt. Künftig soll Psychotherapie nicht mehr extrabudgetär zum vollen Preis, sondern aus einem gedeckelten Budget bezahlt werden, voraussichtlich innerhalb der morbiditätsbedingten Gesamtvergütung (MGV), erläutert Schweitzer-Köhn. Zudem entfällt die sogenannte Angemessenheitsprüfung, ein gesetzlicher Schutzmechanismus, der ein Mindestniveau der Honorare sicherstellte. Auch Zuschläge für Kurzzeittherapien und kurzfristige Termine über die Terminservicestelle fallen weg.
Auswirkungen auf Psychotherapeuten
Besonders betroffen sind Therapeuten mit einem halben Kassensitz, die in Berlin etwa zwei Drittel der Praxen ausmachen. Ab Anfang 2027 könnten sie nur noch 18 Stunden pro Woche voll vergütet bekommen, darüber hinaus würden die Sätze abgestaffelt. „Das rechtlich geschützte Mindesthonorar, das wir vor dem Bundessozialgericht erstritten haben, wird behandelt als Maximalhonorar“, kritisiert Schweitzer-Köhn. Ein halber Sitz reichte bisher aus, um eine Praxis auszulasten; viele Behandler mit halbem Sitz behandeln 25 bis 30 Patienten pro Woche, plus unvergütete Arbeitszeit für Dokumentation und Fortbildung. Für jüngere Kollegen, die nach langer Ausbildung Kredite aufgenommen haben, sei die Situation besonders belastend.
Folgen für Patienten
Schweitzer-Köhn rechnet mit einem Wegfall von Behandlungsplätzen bei gleichbleibendem Bedarf. Die Wartezeiten würden länger, und notwendige Behandlungen könnten nicht zeitgerecht erfolgen. Sie befürchtet „Chronifizierung, Verschlimmerung, längere Arbeitsunfähigkeiten, eventuell mehr Frühverrentung“. Es könnte zu mehr stationären Behandlungen und mehr Krankheitstagen wegen psychischer Erkrankungen kommen. Auch die KV Berlin geht von längeren Wartezeiten aus und befürchtet, dass Praxen schließen müssen. Die Deutsche Psychotherapeuten Vereinigung (DPtV) sieht die Versorgungsstrukturen „auf Jahre, wenn nicht auf Jahrzehnte hinaus gefährdet“.



