Stützstrümpfe bei Bluthochdruck? Top-Kardiologin klärt auf
Stützstrümpfe bei Bluthochdruck? Kardiologin klärt auf

Stütz- und Kompressionsstrümpfe erleben derzeit ein Revival – nicht nur bei älteren Menschen, sondern auch bei jungen Leuten, die sie auf Social Media als stylishes Accessoire präsentieren. Doch was ist dran an den Versprechungen von Influencern, die Strümpfe könnten den Kreislauf verbessern oder sogar Bluthochdruck senken? Prof. Dr. Christiane Tiefenbacher, Vorstandsmitglied der Deutschen Herzstiftung und eine der führenden Kardiologinnen Deutschlands, ordnet den Trend ein und erklärt, wann Kompressionsstrümpfe wirklich sinnvoll sind.

Medizinischer Nutzen: Wann Kompressionsstrümpfe helfen

„Kompressionsstrümpfe haben definitiv einen medizinischen Nutzen“, betont Prof. Tiefenbacher. Allerdings verschreiben Ärzte sie für konkrete Krankheitsbilder wie Krampfadern oder schwere Venenschwäche. „Hier haben sie einen erwiesenen Nutzen“, so die Kardiologin. Der physikalische Effekt ist einfach: Der Druck von außen ist höher als der in den Gefäßen, sodass kein Wasser austreten kann. Das verhindert Flüssigkeitsansammlungen und Schwellungen. „Viele Menschen empfinden das Tragen als angenehm, gerade bei hohen Belastungen. Es macht müde Beine gefühlt leichter“, ergänzt Tiefenbacher.

Besonders hilfreich sind Stütz- oder Kompressionsstrümpfe im Alltag bei längerem Stehen, etwa in Berufen im Handel oder in medizinischen Einrichtungen, bei Menschen mit Krampfadern oder geschwollenen Beinen sowie während Reisen mit langen Flug- oder Autofahrten, wo die Durchblutung der Beine stark eingeschränkt wird.

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Stützstrümpfe bei Bluthochdruck? Das sagt die Kardiologin

Die Frage, ob Kompressionsstrümpfe den Blutdruck senken können, verneint Prof. Tiefenbacher klar. „Für eine direkte Blutdruckregulation sind Stützstrümpfe nicht geeignet. Der Einfluss auf die Arterien und den Blutdruck ist physikalisch kaum erklärbar“, erklärt sie. Die Regulation des Blutdrucks in den Arterien erfolge systemisch und könne durch Kompression praktisch nicht gesteuert werden. „Es gibt keine Studien, die belegen, dass diese Strümpfe präventiv gegen Bluthochdruck wirken“, so die Expertin. Sie vermutet eher einen Placeboeffekt, wenn Menschen von einer Blutdrucksenkung berichten. „Falls sich jemand durch das Tragen besser fühlt oder subjektiv sagt, der Blutdruck sei gesunken, könnte das ein Einzelfallphänomen sein – aber es ist nicht medizinisch erklärbar.“

Ihre klare Empfehlung: „Menschen mit Bluthochdruck sollten sich eher auf bewährte Maßnahmen wie gesunde Ernährung, Bewegung und medikamentöse Therapie fokussieren.“ Kompressionsstrümpfe könnten in Kombination sinnvoll sein, wenn auch Venenschwäche besteht – dies sei jedoch individuell zu prüfen. Das Gefühl, etwas für sich zu tun, könne jedoch mentalen Stress reduzieren, was tatsächlich einen positiven Effekt auf den Blutdruck habe.

Nebenwirkungen und Risiken bei falscher Anwendung

„Hat jemand keine entsprechenden Beschwerden, sollten solche Produkte nicht als vorbeugende oder kardiologische Wunderwaffe für die eigene Gesundheit getragen werden“, warnt Tiefenbacher. Denn bei falscher Anwendung können Nebenwirkungen auftreten: „Sitzen die Strümpfe schlecht, kann dies zu Hautreizungen oder unangenehmen Druckstellen führen.“ Die Wahl des richtigen Produkts sei entscheidend.

Die Kardiologin empfiehlt: Auf die passende Kompressionsklasse achten – für gesunde Beine reicht ein leichter Druck (Klasse I). Hochwertige Materialien wählen, denn gut sitzende Strümpfe sind angenehm, schlecht sitzende können Beschwerden fördern. Die Länge der Belastung anpassen: Für Reisen oder langes Stehen sind Kniestrümpfe oft ausreichend, für Erkrankungen sollten höherreichende Varianten bevorzugt werden. „Verlassen Sie sich bei der Auswahl auf individuelle Beratung, anstatt auf Social-Media-Versprechen“, mahnt Tiefenbacher.

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