Eine neue Langzeitstudie der britischen University of Warwick zeigt, dass etwa jedes fünfte sehr früh geborene Kind auch im Erwachsenenalter mit erheblichen Schwierigkeiten kämpft. Die Studie, veröffentlicht im Fachjournal „JAMA Paediatrics“, untersuchte 34 Jahre lang die soziale Entwicklung von 416 Menschen, von denen etwa die Hälfte Frühgeborene waren.
Frühgeborene: Glückliche Mehrheit, aber beträchtliche Minderheit mit Problemen
Laut Studienleiter Professor Dieter Wolke können Menschen, die mit einem sehr niedrigen Geburtsgewicht oder deutlich vor dem errechneten Termin geboren wurden, heute zwar auf ein glückliches, gesundes und erfülltes Leben hoffen. „Es gibt jedoch eine beträchtliche Minderheit, die nach wie vor mit echten Schwierigkeiten zu kämpfen hat“, so Wolke, der lange auch in München forschte. Diese Menschen berichteten, dass ihr Leben schwer und nicht besonders erfüllend sei.
18 Prozent der Frühgeborenen schneiden schlecht ab
Konkret zeigten die Daten, dass etwas mehr als die Hälfte der sehr frühgeborenen oder mit sehr geringem Geburtsgewicht geborenen Kinder in den Bereichen Risikovermeidung, Wohlstand und soziale Beziehungen eine optimale Funktionsfähigkeit aufwiesen. 18 Prozent jedoch schnitten hierbei schlecht ab – verglichen mit nur 1,5 Prozent bei reif Geborenen. Die Probleme betreffen vor allem Geld, Freundschaften und Partnerschaften.
Rolle des Intelligenzquotienten
Medizinisch betrachtet spielt laut der Studie vor allem der Intelligenzquotient (IQ) eine Rolle. Früheren Studien zufolge nehme der IQ vor der 33. Schwangerschaftswoche pro Woche um 2,3 Punkte ab, erläutert Wolke. Die Forscherin Elif Gönen vom Institut für Psychologie an der University of Warwick ergänzt: „Unsere Daten zeigen, dass etwas mehr als die Hälfte der sehr frühgeborenen oder mit sehr geringem Geburtsgewicht geborenen Kinder in den Bereichen Risikovermeidung, Wohlstand und soziale Beziehungen eine optimale Funktionsfähigkeit aufwiesen.“
Übertragbarkeit auf Deutschland
Die Ergebnisse seien durchaus auf Gesamtdeutschland übertragbar, sagte Wolke. Die medizinischen Einrichtungen und die Organisation der Pflege von Neugeborenen seien überall in Deutschland vergleichbar – wenngleich sie international, etwa hinter Finnland, zurücklägen. Frühgeborene haben dank moderner medizinischer Möglichkeiten inzwischen deutlich höhere Überlebenschancen als früher. Die Gesellschaft könne von einem noch stärkeren Fokus auf geistige Entwicklung im frühkindlichen Stadium profitieren, erklären die Forschenden.



