Türkei bestraft Ärzte wegen Kaiserschnitten: Über 100 Sanktionen
Türkei bestraft Ärzte wegen Kaiserschnitten

Nach der Ausführung von Kaiserschnitten sind in der Türkei einem Medienbericht zufolge mehr als 100 im Bereich Gynäkologie und Geburtshilfe tätige Personen mit Geldstrafen belegt oder von ihrer Arbeit suspendiert worden. Die Zeitung „BirGün“ berief sich auf Zahlen von Ärzteverbänden im ganzen Land. Die Sanktionen haben laut dem Bericht für erhebliche Proteste unter den Beschäftigten gesorgt.

Disziplinarverfahren und Fortbildungen

Die Ärztekammer von Antalya erklärte auf ihrer Website, dass Geburtshelferinnen und Geburtshelfer Verwarnungen erhalten hätten, sich Disziplinarverfahren stellen mussten und vorübergehend von ihrer Tätigkeit suspendiert wurden. Zudem seien sie zu Fortbildungen verpflichtet worden. Das Nachrichtenportal „Diken“ berichtete, dass ein in einem Privatkrankenhaus in Sakarya nahe Istanbul beschäftigter Arzt auf Anordnung des Gesundheitsministeriums wegen einer hohen Kaiserschnittrate entlassen und für sechs Monate suspendiert wurde. Die Wiederaufnahme der Tätigkeit setze eine Fortbildung und das Bestehen einer Prüfung voraus.

Erdogan will Kaiserschnittrate senken

Präsident Recep Tayyip Erdogan, ein praktizierender Muslim, möchte die Zahl der Wunschkaiserschnitte im Land reduzieren. Seine Regierung hatte im April 2025 Kaiserschnitte ohne medizinische Begründung in privaten Gesundheitseinrichtungen verboten. Zudem startete die Regierung eine Kampagne, um dem Geburtenrückgang entgegenzuwirken.

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Ayse Gültekingil vom türkischen Ärzteverband sagte gegenüber „BirGün“, dass Strafen allein die hohe Kaiserschnittrate nicht senken würden; diese sei „struktureller“ Art. „Die Kaiserschnittrate in der Türkei liegt bei mehr als 60 Prozent. Die Art der Entbindung spiegelt Probleme im türkischen Gesundheitssystem wider“, erklärte sie.

Höchste Rate unter OECD-Staaten

Die Türkei weist unter den 38 Mitgliedsstaaten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) die höchste Kaiserschnittrate auf. Im Jahr 2023 lag sie bei etwa 615 Eingriffen auf 1000 Lebendgeburten. Beschäftigte im Gesundheitswesen verwiesen auf die Zeitersparnis: Ein Kaiserschnitt dauere im Schnitt nur 30 Minuten, während eine natürliche Geburt meist mehrere Stunden in Anspruch nehme. Zudem sei das Risiko von Gerichtsverfahren bei Komplikationen geringer.

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