Wegovy-Abnehmpille: EU-Zulassung, Unterschiede zur Spritze und Risiken
Wegovy-Pille: EU-Zulassung und Unterschiede zur Spritze

Die Wegovy-Tablette mit dem Wirkstoff Semaglutid hat die EU-Zulassung erhalten und soll ab dem dritten Quartal 2026 auch in Deutschland auf Rezept erhältlich sein. Es handelt sich um das erste Abnehmmedikament aus der Klasse der GLP-1-Rezeptoragonisten in Pillenform. Der dänische Hersteller Novo Nordisk spricht von einem Meilenstein: „Die Zulassung eröffnet Millionen von Patientinnen und Patienten mit starkem Übergewicht und Adipositas in Deutschland den Zugang zu einer neuen Behandlungsform ihrer chronischen Erkrankung.“

Riesenboom in den USA – berechtigt?

Bislang war die Pille vor allem in den USA und Großbritannien zugelassen. „In den USA ist ein Riesenboom entstanden durch diese Tablette“, sagt Prof. Dr. Stephan Martin, Diabetologe und Direktor des Westdeutschen Diabetes- und Gesundheitszentrums in Düsseldorf. Doch er fragt sich, ob dieser Boom wirklich berechtigt ist. Gemeinsam mit Prof. Dr. Andreas Pfeiffer, Endokrinologe und Ernährungsmediziner an der Berliner Charité, ordnet er die Unterschiede zwischen Spritze und Pille ein.

Unterschiede zwischen Abnehmspritze und -pille

Der entscheidende Unterschied liegt in der Bioverfügbarkeit: Während Semaglutid als Injektion nahezu vollständig vom Körper aufgenommen wird, muss die Tablette den Magen-Darm-Trakt passieren. Das senkt die Wirksamkeit. „Die Pille enthält eine höhere Dosis, um eine ähnliche Wirkung zu erzielen“, erklärt Pfeiffer. Dennoch sehen Experten Vorteile: Viele Patienten haben Angst vor Spritzen oder sind mit der Handhabung überfordert. Die orale Einnahme könnte die Therapietreue verbessern.

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Nebenwirkungen und Risiken

Wie die Spritze kann auch die Pille Übelkeit, Erbrechen und Durchfall auslösen. „Die Verträglichkeit ist individuell unterschiedlich“, so Martin. Ein besonderes Risiko sieht Pfeiffer in der unkontrollierten Anwendung: „Es drohen Menschenexperimente, wenn Patienten die Pille ohne ärztliche Begleitung einnehmen – etwa aus dem Internet.“ Er warnt vor möglichen Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten und fordert eine strenge ärztliche Überwachung.

Kann ich damit mehr abnehmen?

Studien zeigen, dass die Pille ähnliche Gewichtsverluste ermöglicht wie die Spritze – im Schnitt 10 bis 15 Prozent des Ausgangsgewichts nach 68 Wochen. Allerdings hängt der Erfolg stark von der Dosierung und der begleitenden Lebensstiländerung ab. „Die Pille ist kein Wundermittel, sondern ein Werkzeug“, betont Martin. Patienten sollten weiterhin auf eine ausgewogene Ernährung und Bewegung achten.

Verfügbarkeit und Kosten

Novo Nordisk plant, die Pille ab dem dritten Quartal 2026 in Deutschland auszuliefern. Die Kosten liegen voraussichtlich bei etwa 300 Euro pro Monat. Ob die Krankenkassen die Kosten übernehmen, ist noch offen. „Eine Erstattung wäre ein wichtiger Schritt für die Behandlung von Adipositas als chronische Krankheit“, sagt Pfeiffer.

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