Whoop-Gründer Will Ahmed: „Sieben Stunden Schlaf sind die Untergrenze“
Whoop-Gründer: „Sieben Stunden Schlaf sind Untergrenze“

Will Ahmed wirkt nicht wie jemand, der unter Schlafmangel leidet. Der Whoop-Gründer ist groß, wach und breitschultrig – ein Bild von Gesundheit. Doch an diesem Vormittag leuchtet sein Whoop-Dashboard tiefrot. Schlechtes Zeichen. „Ich bin mit einem Red-eye-Flug aus den USA gekommen und habe in den letzten 24 Stunden nur dreieinhalb Stunden geschlafen“, sagt Ahmed. Sein Körper habe sich nur zu einem Viertel erholt. „Meine Herausforderung ist es jetzt, diesen Tag voller Pressetermine zu absolvieren, während mein Körper eigentlich ständig auf Stand-by und Erholung schalten will.“

Resilienz statt Perfektion

Die Ironie ist Ahmed bewusst. Er bezeichnet Schlaf als die wichtigste Leistungskennzahl, lebt aber selbst das Gegenteil vor. „Resilienz bedeutet nicht, immer perfekt vorbereitet zu sein“, erklärt er. „Es bedeutet vielmehr, bestmöglich mit den Bedingungen umzugehen, die man in seinem Leben vorfindet.“ Ahmed ist Gründer und CEO von Whoop, einem Unternehmen, das 2012 aus einem Harvard-Studentenprojekt hervorging. Heute wird Whoop mit 10 Milliarden Dollar bewertet. Erst im März 2026 schloss das Unternehmen eine 575 Millionen Dollar umfassende Finanzierungsrunde ab. Ein Börsengang könnte folgen.

Auf Ahmed lastet enormer Druck. „Ich würde auf ausreichend Bewegung, Erholung, Schlaf und gesunde Ernährung achten, egal ob ich dieses Unternehmen führen würde oder nicht“, sagt er. „Unter Druck stehe ich ohnehin, als Gründer und Lenker dieses Unternehmens mit 1000 Mitarbeitern, über 2,5 Millionen Mitgliedern und den Erwartungen an schnelles Wachstum. Da wache ich eigentlich jeden Tag mit neuen Herausforderungen auf.“

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Konkurrenz und Genauigkeit

Whoop hat seit seiner Gründung reichlich Konkurrenz bekommen, zuletzt sorgte der Oura-Ring für Aufsehen. Ahmed zeigt sich unbeeindruckt: „Wenn ich an den Markt vor zehn Jahren denke, gab es damals eher mehr Konkurrenten als heute. Nike, Adidas, Under Armour, Amazon, Intel, Samsung, Jawbone – keines dieser Unternehmen hat noch wirklich aktiv Wearables auf dem Markt.“ Whoop habe sich nie von Trends ablenken lassen und eine klar definierte Zielgruppe bedient: Menschen, die verlässliche Messdaten wollen. „Deshalb arbeiten wir auch seit 2015 mit Athleten wie LeBron James und Cristiano Ronaldo zusammen – nicht als Werbefläche, sondern als Datenquelle.“

Zur Genauigkeit konkurrierender Gadgets wie der Apple Watch äußert sich Ahmed nicht direkt. „Wir orientieren uns am Goldstandard der Schlafmedizin: einer Messung im Schlaflabor mit Elektroden an Kopf, Brust und Beinen.“

Überraschende Erkenntnisse

Whoop hat mit seinen Daten bereits medizinische Erkenntnisse geliefert. Während der Covid-Pandemie entdeckte das Unternehmen, dass eine erhöhte Atemfrequenz ein früher Indikator für eine Infektion ist. „Bei Erkrankten stieg sie im Schlaf um 20, 30, manchmal 40 Prozent. Das wusste niemand, bevor wir dazu eine Studie veröffentlichten“, so Ahmed. Auch zu Schwangerschaften hat Whoop geforscht: „Die Herzratenvariabilität sinkt über den Verlauf einer Schwangerschaft kontinuierlich. Aber sieben Wochen vor der Geburt macht sie einen Knick nach oben. Kommt diese Aufwärtskurve zwei Wochen früher als erwartet, deutet das auf eine entsprechend frühere Geburt hin.“

Eine im April 2026 im Fachjournal „Sleep“ veröffentlichte Analyse von 3,7 Millionen Nächten zeigte, dass verlässliche Schlafmessungen mindestens 41 bis 65 Nächte erfordern – nicht die bisher üblichen 7 bis 14.

Mythen und persönliche Lehren

Ahmed räumt mit dem Mythos auf, dass nur die Schlafdauer zählt. „Wir alle haben die Bedeutung der Schlafkonstanz unterschätzt – zur selben Zeit ins Bett gehen und aufstehen, jeden Tag. Das schafft eine verlässliche innere Uhr, die Erholung und Schlafqualität verbessert. Schlafkonstanz kann wichtiger sein als die reine Stundenzahl.“

Auf die Frage, was er durch das Tracking über sich gelernt habe, das er lieber nicht gewusst hätte, antwortet Ahmed: „Was die meisten nicht wissen wollen: Alkohol ist schlecht – besonders für Schlaf und Erholung. Das ist nichts Neues, aber wenn man es in den eigenen Kurven sieht, ist es eine andere Wahrheit. Meine subtilere Entdeckung: Für mich ist spätes Essen fast genauso schädlich. Ich muss früh zu Abend essen.“

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Medizinische Ambitionen

Whoop entwickelt sich zunehmend in Richtung Medizin – KI-Coaching, Blutwerte, Videosprechstunden mit Ärzten direkt in der App. „Wir forschen aktiv an einer Reihe medizinischer Zulassungen“, sagt Ahmed. Die neuen Blutwerte-Dienste in Zusammenarbeit mit dem US-Laborkonzern Quest Diagnostics stoßen auf Kritik, da sie nach Monetarisierung aussehen. Ahmed entgegnet: „Rund 70 Prozent unserer Mitglieder hatten Interesse an Bluttests über Whoop signalisiert. Das ist keine Push-Strategie, das ist nachfragegetriebene Produktentwicklung.“

Auf den Hinweis, dass in Deutschland Blut auf Kassenrezept abgenommen wird, antwortet Ahmed: „In den USA haben viele Menschen keinen festen Hausarzt. Für diese Menschen ist Whoop ein Werkzeug, das ihnen Informationen liefert, die sie anderweitig nicht bekämen. Das größere Bild gilt aber überall: Wenn man Aktivität, Schlaf und Blutwerte unter einem Dach zusammenführt, entsteht ein Bild der eigenen Gesundheit, das kein einzelner Arzttermin liefern kann.“ Whoop berechnet aus all diesen Daten das sogenannte „Whoop Age“, das biologische Alter.

Ahmeds eigene dreieinhalb Stunden Schlaf sind eindeutig zu wenig, wie er selbst zugibt: „Definitiv, vor allem auf Dauer.“ Seine Empfehlung: „Sieben Stunden Schlaf sind die Untergrenze.“