10 Jahre Haft für Schaffner-Killer: Nebenklage kündigt Revision an
10 Jahre Haft für Zugbegleiter-Mörder: Revision angekündigt

Das Landgericht Zweibrücken hat den 26-jährigen Griechen Ioanni V. am Donnerstag wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu zehn Jahren Haft verurteilt. Der Angeklagte hatte am 2. Februar im Regionalexpress von Kaiserslautern nach Homburg den Zugbegleiter Serkan Çalar (36) so schwer verprügelt, dass dieser starb. Die Staatsanwaltschaft hatte ursprünglich wegen Mordes anklagen wollen, doch das Gericht ließ nur ein Verfahren wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu. Die Familie des Opfers boykottierte den Prozess, da sie bereits vor dem Urteilsspruch annahmen, dass Ioanni V. nicht wegen Mordes verurteilt werden würde.

Hintergrund der Tat und Prozessverlauf

Die Tat ereignete sich am 2. Februar im Regionalexpress von Kaiserslautern nach Homburg und wurde von der Überwachungskamera im Zug aufgezeichnet. Die Bilder zeigen, wie der Schaffner den Griechen leicht am Arm berührt, um sein Ticket zu kontrollieren. Ioanni V. hatte kein Ticket und reagierte aggressiv. Zeugen berichten, dass der Schaffner versuchte zu deeskalieren, den Griechen auf Abstand zu halten und ihn des Zuges verweisen wollte. Nach Informationen der Bild-Zeitung schlug der 26-Jährige dann auf den Tisch vor sich, rief immer wieder „Don’t touch me, don’t touch me“ und schlug gezielt auf den Kopf des Zugbegleiters ein. Erst als sein Opfer bewusstlos zusammenbrach, ließ der Täter von ihm ab. Serkan Çalar erlag später seinen Verletzungen.

Urteil und Reaktionen

Die Richter der 1. Strafkammer unter Vorsitz von Andreas Herzog verurteilten Ioanni V. zu zehn Jahren Haft. Trotz der Möglichkeit, den Angeklagten wegen Mordes oder Totschlags zu verurteilen, blieb die Kammer bei der Anklage der Körperverletzung mit Todesfolge. Nebenklage-Anwalt Yalçın Tekinoğlu hatte am Freitag einen „rechtlichen Hinweis“ beantragt, um eine höhere Strafe zu erreichen, doch Richter Herzog reagierte nicht auf den Antrag. Tekinoğlu kündigte direkt nach der Urteilsbegründung an, Revision einzulegen. Die Familie des Opfers war bei der Urteilsverkündung nicht anwesend, da sie den Prozess boykottierten. Sie kritisierten, dass das Gericht ihrer Forderung nicht nachkam und bereits vor dem Urteilsspruch davon ausgingen, dass Ioanni V. nicht wegen Mordes verurteilt werden würde.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Nationale Anteilnahme und Folgen

Nach der schrecklichen Tat gab es bundesweit eine Schweigeminute an Bahnhöfen und in Zügen. Für die Familie von Serkan Çalar mag der Prozess jetzt zwar enden, doch der 2. Februar endet für sie nie. Die Tat hat landesweit Bestürzung ausgelöst und die Sicherheit von Zugbegleitern in den Fokus gerückt. Die Entscheidung des Gerichts, nur wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu verurteilen, stieß bei vielen auf Unverständnis. Die Revision der Nebenklage könnte nun zu einer Neuverhandlung führen.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration