Die ukrainische Luftwaffe hat in der Nacht zum Donnerstag einen massiven russischen Angriff mit 94 Langstreckendrohnen und zwei ballistischen Raketen abgewehrt. 72 Drohnen seien abgefangen oder elektronisch gestört worden, teilte die Luftwaffe mit. 19 Drohnen und beide Raketen hätten Schäden an 13 Orten verursacht. Was mit den übrigen Drohnen geschah, blieb zunächst unklar.
Melnyk: Trumps Patriot-Zusicherung hat große Signalwirkung
Der frühere ukrainische Botschafter in Deutschland, Andrij Melnyk, begrüßte die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, der Ukraine eine Lizenz zur Produktion von Patriot-Flugabwehrraketen zu erteilen. „Die Signalwirkung ist sehr stark für uns, für die Russen, auch für die gesamte Welt, dass die Ukraine auch weiterhin so stark, so massiv unterstützt wird“, sagte Melnyk im ZDF-„Morgenmagazin“. Er verwies auf Trumps Ankündigung sowie auf neue Militärhilfen in Milliardenhöhe, die beim Nato-Gipfel in Ankara versprochen wurden.
Als problematisch bezeichnete der heutige ukrainische UN-Botschafter jedoch, dass es Monate oder Jahre dauern werde, bis die Ukraine die Raketen produzieren könne. „Dabei brauchen wir sie schon heute“, betonte er. Der letzte Monat sei der tödlichste für Zivilisten in der Ukraine gewesen: Fast 300 Menschen seien bei russischen Raketenbeschüssen getötet worden.
Ukraine: Zwölf russische Tanker im Asowschen Meer angegriffen
Die Ukraine hat eigenen Angaben zufolge in der Nacht zwölf russische Tanker im Asowschen Meer attackiert. Die Schiffe dienten der Versorgung des russischen Militärs mit Treibstoff und transportierten Öl unter Umgehung internationaler Sanktionen, teilte der Generalstab der Streitkräfte auf Telegram mit. Zudem seien ein Schlepper und ein Frachtschiff getroffen worden. Die Angriffe zielten darauf ab, die von Russland besetzte Halbinsel Krim zu isolieren.
Bereits in den vergangenen 72 Stunden hatte die Ukraine nach eigenen Angaben 19 Tanker der sogenannten russischen Schattenflotte angegriffen. Der Kommandeur der Drohnenstreitkräfte, Robert Browdi, bestätigte die Angriffe. Der Gouverneur der westrussischen Region Rostow, Juri Sljusar, räumte Schäden an zwei Schiffen ein, betonte aber, dass diese leer gewesen seien und kein Öl ausgelaufen sei. Zwei Seeleute seien verletzt worden.
Erneut Ölanlagen in Russland unter Beschuss
Ukrainische Kampfdrohnen haben in der Nacht zwei Öldepots in Russland in Brand gesetzt. In der Region Twer brach in der „Ölbasis Twer“ ein Feuer aus, wie Gouverneur Witali Koroljow mitteilte. Die Feuerwehr sei noch mit den Löscharbeiten beschäftigt. Auch in der südrussischen Region Stawropol ging ein Öldepot in Flammen auf. Präsident Wolodymyr Selenskyj bestätigte die Angriffe und erklärte, das Militär reagiere damit auf die Verlängerung des Krieges durch Russland.
Insgesamt fing die russische Luftabwehr nach Angaben des Verteidigungsministeriums in der Nacht 73 ukrainische Drohnen ab. Zudem wurden Angriffe auf Raffinerien in Saratow und Tatarstan sowie auf einen Flugplatz in Woronesch gemeldet. In Saratow kam ein Mann ums Leben.
Nato-Gipfel in Ankara: Milliardenhilfen und Trump-Vorstoß
Beim Nato-Gipfel in Ankara sagten die Verbündeten der Ukraine für 2026 Militärhilfen in Höhe von 70 Milliarden Euro zu. Für 2027 ist Unterstützung in mindestens gleicher Höhe geplant. Bundeskanzler Friedrich Merz betonte: „Russland hat keine Chance, diesen Krieg zu gewinnen.“
US-Präsident Trump drängte auf ein Treffen zwischen Putin und Selenskyj, lehnte aber Moskau als Ort ab. Er kündigte zudem ein Telefonat mit Putin an. Die USA arbeiten laut Trump an einer Sicherheitsgarantie für die Ukraine.



