Bei den schwersten Gefängnisausschreitungen seit fünf Jahren in Sri Lanka sind mindestens 26 Menschen ums Leben gekommen. Offiziellen Angaben zufolge wurden mehr als 75 Personen verletzt. Die Gewalt brach am Sonntagabend im Hochsicherheitsgefängnis der Hafenstadt Negombo aus, etwa 35 Kilometer nördlich der Hauptstadt Colombo.
Hintergrund der Auseinandersetzungen
Nach Behördenangaben handelt es sich bei den Todesopfern um 19 Häftlinge und sieben Gefängniswärter. Die Polizei geht davon aus, dass Mitglieder zweier rivalisierender Gruppen aneinandergeraten waren. Laut Berichten des sri-lankischen Nachrichtenportals Newsfirst könnte ein Streit über Drogenhandel der Auslöser gewesen sein. Die Gruppen seien im Bereich der Organisierten Kriminalität tätig.
Der Direktor eines nahe gelegenen Krankenhauses teilte mit, dass einige der Opfer Schuss- und Schnittwunden sowie schwere Blutergüsse aufwiesen. Die Sicherheitskräfte brachten die Lage in der Haftanstalt bis zum Montagnachmittag (Ortszeit) unter Kontrolle.
Auswirkungen auf die Frauenhaftanstalt
Nach Beginn der Kämpfe kletterten viele Frauen aus der angrenzenden Frauenhaftanstalt auf das Dach des Gebäudes und forderten ihre Freilassung. Dabei stürzte ein Teil des Daches ein, mehrere Frauen wurden verletzt. Laut Polizei versuchten am Montagabend zudem einige Insassen, durch das Haupttor zu entkommen, wurden aber aufgehalten.
Überbelegung und frühere Vorfälle
Das Gefängnis in Negombo geriet bereits in der Vergangenheit in die Schlagzeilen. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International warnte vor Folter durch Mithäftlinge. Medien berichteten immer wieder von Ausschreitungen und Überbelegung. Aktuellen offiziellen Zahlen zufolge sitzen in Sri Lankas Gefängnissen insgesamt 41.250 Menschen ein, was der vierfachen Kapazität der Anstalten entspricht.
Zu Weihnachten 2023 gewährte der damalige Präsident Ranil Wickremesinghe mehr als tausend Häftlingen eine Amnestie, nachdem fast 15.000 Personen bei Antidrogeneinsätzen festgenommen worden waren. Die jüngsten Ausschreitungen werfen erneut ein Schlaglicht auf die prekäre Lage im Strafvollzug des Landes.



