Seit 2023 haben Ermittler des nordrhein-westfälischen Landeskriminalamts (LKA NRW) durch sogenannte Scheinkindoperationen im Internet 674 Strafverfahren wegen des Verdachts auf Cybergrooming eingeleitet. Das teilte das LKA am Mittwoch in Düsseldorf mit. Die Beamten geben sich dabei in sozialen Netzwerken, Chatportalen oder auf Spieleplattformen als Kinder aus, um pädokriminelle Täter zu identifizieren.
Cybergrooming: Manipulation von Kindern im Netz
Cybergrooming bezeichnet die gezielte Manipulation von Kindern und Jugendlichen über das Internet mit dem Ziel, sexuelle Übergriffe zu begehen. Die Täter geben sich in Chats oder Online-Communitys gegenüber Minderjährigen als ungefähr gleichaltrig aus. Häufig bringen sie die Kinder dazu, freizügige Selbstporträts zu senden. Diese Fotos werden dann oft als Druckmittel gegen die Minderjährigen eingesetzt. Manche Täter verfolgen sogar das Ziel eines realen sexuellen Missbrauchs.
23 konzentrierte Operationen zwischen 2023 und 2026
Neben fortlaufenden Einsätzen gab es von November 2023 bis Juni 2026 insgesamt 23 konzentrierte Scheinkindoperationen der LKA-Ermittler. Diese dauerten zwischen einem Tag und einer Woche. Ergaben sich Hinweise auf Straftaten wie sexuellen Missbrauch von Kindern, wurden Strafverfahren eingeleitet und Täter identifiziert. Mit den Einsätzen soll der Verfolgungsdruck auf pädokriminelle Täter kontinuierlich erhöht werden, die über das Internet Kontakt zu potenziellen Opfern aufnehmen.
Jedes vierte Kind in Deutschland betroffen
Laut einer repräsentativen Befragung der Landesanstalt für Medien NRW aus dem Jahr 2025 haben 24 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland bereits sexuell motivierte Annäherungsversuche Erwachsener im Internet erlebt. Die Befragung zeigt, dass Cybergrooming ein weit verbreitetes Problem ist, dem die Behörden mit innovativen Ermittlungsmethoden begegnen.
Erfolge der Scheinkindoperationen
Die Scheinkindoperationen des LKA NRW haben zu Hunderten Fahndungserfolgen geführt. Allein durch die 23 konzentrierten Aktionen wurden zahlreiche Strafverfahren eingeleitet. Die Ermittler betonen, dass die Täter durch die verdeckten Einsätze unter Druck gesetzt werden und die Dunkelziffer sinken soll. Die Behörde sieht in der Methode ein wirksames Instrument zur Bekämpfung von Cybergrooming und Kindesmissbrauch im Internet.



