Das Amtsgericht Münster hat den niederländischen Rechtsextremisten Stefan Wijkamp (58), äußerlich ein Doppelgänger Adolf Hitlers, wegen Volksverhetzung zu acht Monaten Haft auf Bewährung und einer Geldstrafe von 3000 Euro verurteilt. Der Angeklagte und sein Anwalt André Picker erschienen nicht zum Prozess. Richterin Antonia Buddenbäumer stellte nach 15 Minuten Wartezeit fest: „Nach zweitem Aufruf sind weder der Angeklagte noch dessen Anwalt erschienen.“ Auf Antrag von Staatsanwältin Laura Schmengler erließ sie einen Strafbefehl. Die Verhandlung dauerte exakt acht Minuten.
Hitler-Verherrlichung im Interview
Grund der Anklage war ein Interview, das Wijkamp am 19. Juli 2025 am Rande einer Demonstration in Münster (Nordrhein-Westfalen) einem umstrittenen YouTuber gab. Vor laufender Kamera erklärte der Neonazi mit strengem Seitenscheitel und schmalem Oberlippenbärtchen: „Meine Liebe für Deutschland heißt Adolf Hitler.“ Den Mann, der für den Mord an Millionen Juden verantwortlich ist, bezeichnete er als „Weltwunder ohnegleichen“, als „brillant“ und als „Genie“. Auf Nachfrage rechtfertigte er dies als seine Meinung.
Grenzen der Meinungsfreiheit
Die Meinungsfreiheit findet in Deutschland jedoch ihre Schranken, wenn Äußerungen eine Straftat darstellen. Gemäß Paragraf 130 StGB wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft, wer öffentlich den öffentlichen Frieden in einer die Würde der Opfer verletzenden Weise stört, indem er die nationalsozialistische Gewalt- und Willkürherrschaft billigt, verherrlicht oder rechtfertigt. Die Staatsanwaltschaft sah diesen Tatbestand als erfüllt an.
Strafbefehl und Rechtsmittel
Richterin Buddenbäumer erläuterte: „Gegen den Strafbefehl können der Angeklagte und sein Vertreter innerhalb von zwei Wochen Einspruch einlegen. In diesem Fall würde es zu einer zweiten Verhandlung kommen.“ Akzeptiert Wijkamp das Urteil, ist es rechtskräftig, und er muss die 3000 Euro in Raten zu 100 Euro zahlen. Vor dem Gericht wartete ein Dutzend Demonstranten vergeblich auf den „Holland-Hitler“.
Wijkamps rechtsextreme Vergangenheit
Stefan Wijkamp besucht regelmäßig öffentliche Veranstaltungen der deutschen rechtsextremen Szene. 2017 trat er der inzwischen aufgelösten Neonazi-Partei „Die Rechte“ bei und war zeitweise sogar im Vorstand. Diese Gruppierung stellte 2019 die Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck (†96) als Spitzenkandidatin auf. Wijkamp wird in Medien oft als „Holland-Hitler“ bezeichnet.



