Am 58. Verhandlungstag im Prozess gegen die Steakhaus-Erbin Christina Block sorgte die Kriminalbeamtin Merle B. (44) mit emotionalen Aussagen für Aufsehen. Die Leiterin der Ermittlungen im Zusammenhang mit der Entführung der Block-Kinder berichtete vor dem Landgericht Hamburg von einem bewegenden Gespräch mit Tochter Klara, die damals 13 Jahre alt war.
„Mir glaubt ja eh keiner“ – Die Worte der 13-Jährigen
Die Ermittlerin schilderte, wie Klara nach der gewaltsamen Rückführung aus Dänemark am 3. Januar 2024 im Haus ihrer Mutter Christina Block laut vor sich hin sprach. Das Mädchen fragte sie: „Was glauben Sie denn? Warum habe ich denn beim ersten Besuch nicht gesagt, dass ich dort nicht sein möchte, und nicht einmal ‚Hilf mir, hol mich hier raus‘ sagte? Weil mir ja eh keiner glauben wird.“ Die Beamtin zeigte sich tief berührt von diesen Worten, die ihr bis heute im Gedächtnis geblieben seien.
Rechtsanwalt Dr. Marko Voss, Verteidiger des mitangeklagten Familienanwalts Dr. Andreas Costard (64), wandte ein, dass diese Schilderung nicht in den Akten zu finden sei. Er hielt der Zeugin vor, sie habe eine Anekdote eingeführt, die „nichts zur Sache beitrage“. Die Aussage der Polizistin verdeutlicht jedoch die emotionale Zerrissenheit des Mädchens, das zwischen den Fronten des Sorgerechtsstreits stand.
Irritation durch rechtliche Bewertung des Anwalts
Für Irritation im Gerichtssaal sorgten zudem Äußerungen von Dr. Marko Voss zur rechtlichen Bewertung der gewaltsamen Entführung. Der Strafverteidiger regte an, zu prüfen, ob im „familienrechtlichen Kontext ein gewisser körperlicher Zwang möglicherweise gerechtfertigt“ gewesen sein könnte. Wörtlich sagte Voss: „Es sollte geprüft werden, ob einfacher körperlicher Zwang zulässig gewesen sein könnte, um die Kinder in ein Fahrzeug zu bringen.“
Weiterhin vertrat er die Auffassung, dass auch ein kurzfristiges gewaltsames Festhalten des Kindsvaters Stephan Hensel vor dem Hintergrund der Vorgeschichte – dieser hatte die Kinder im August 2021 widerrechtlich nach Dänemark geholt – rechtlich anders zu bewerten sein könnte. Damit legitimierte er indirekt die Gewaltanwendung gegen den Vater. Diese Aussagen dürften den ohnehin hoch emotional geführten Prozess weiter anheizen.
Der Fall im Überblick
Christina Block wird vorgeworfen, die Entführung ihrer Kinder Klara und Theodor bei einer israelischen Sicherheitsfirma beauftragt zu haben. Die Kinder wurden am 3. Januar 2024 gewaltsam aus Dänemark nach Deutschland zurückgebracht. Im Prozess vor dem Landgericht Hamburg bestreitet sie die Vorwürfe. Im Mittelpunkt steht weiterhin die Frage, wer die Verantwortung für die gewaltsame Rückführung trägt und welche Rolle die einzelnen Angeklagten dabei gespielt haben.
Die Ermittlerin Merle B. war am Mittwoch erneut als Zeugin vernommen worden. Sie leitete die Ermittlungen und berichtete von der Begegnung mit Klara, bei der die Polizei auf Bitten von Christina Block nicht mit den Kindern sprechen sollte. Die Aussagen der Zeugin und die rechtlichen Ausführungen des Anwalts zeigen die Komplexität des Falls, der weit über eine einfache Entführung hinausgeht und tief in die Familiendynamik und die rechtlichen Grauzonen des Sorgerechts hineinreicht.



