Blutspurenleserin: Wie eine Kriminalhauptkommissarin Tatorte zum Sprechen bringt
Blutspurenleserin: Kriminalhauptkommissarin entziffert Tatorte

Nina Hagner kennt die Sprache der Spuren. Die 37-jährige Kriminalhauptkommissarin hat Hunderte Tatorte gesehen, an denen sich Gewalt in winzigen Partikeln festgeschrieben hat. Kleinste Hinweise erzählen ihr, was Menschen getan haben – oder was ihnen angetan wurde.

Vom Kunststudium zur Spurensicherung

Früher hat Hagner Kunst studiert, heute sichert sie Beweise, die das Auge nicht sieht. Seit 2018 arbeitet sie am Berliner Kriminaltechnischen Institut (KTI) und leitet dort die Arbeitsgruppe für Blutspurenmusteranalyse. In der Testhalle zwischen blutbespritzten Papierbahnen spricht sie über ihren Alltag, die Gewalt und den Tod.

„Ich habe gelernt, meine Gefühle auf Abstand zu halten“, sagt Hagner. Die Arbeit erfordere eine besondere emotionale Distanz, um objektiv bleiben zu können. Oft verrate ein Tatort mehr als alle Zeugen – das sei ihre tägliche Erfahrung.

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Die Kunst der Blutspurenanalyse

Die Blutspurenmusteranalyse ist ein Spezialgebiet der Kriminaltechnik. Anhand von Form, Größe und Verteilung der Blutspuren lassen sich Abläufe rekonstruieren: die Position von Täter und Opfer, die Art der Gewalteinwirkung, die Bewegungen nach der Tat. Hagner vergleicht es mit dem Lesen eines Buches – jede Spur sei ein Satz, jedes Muster ein Kapitel.

„Die Spuren lügen nicht, aber sie müssen richtig interpretiert werden“, betont die Kommissarin. Fehler in der Analyse könnten fatale Folgen haben – für die Ermittlungen und für die Justiz.

Belastung und Bewältigung

Wie hält man das aus, den ständigen Kontakt mit Gewalt und Tod? Hagner setzt auf Teamarbeit und Austausch. Die Kollegen der Tatortgruppe unterstützen sich gegenseitig, regelmäßige Supervisionen helfen, die Erlebnisse zu verarbeiten. „Man darf die Bilder nicht mit nach Hause nehmen“, sagt sie.

Ihr früheres Kunststudium hilft ihr dabei, Muster zu erkennen und abstrakt zu denken. „Ästhetik spielt keine Rolle, aber die Fähigkeit, genau hinzusehen, ist entscheidend.“

Einblicke in die Arbeit der Tatortgruppe

Der Tagesspiegel gewährt einen exklusiven Einblick in die Arbeit der Berliner Tatortgruppe. Hagner führt durch die Testhalle, zeigt, wie Blutspuren simuliert und analysiert werden. Jeder Fall sei anders, jede Spur einzigartig. „Es ist wie ein Puzzle, das sich erst am Ende zu einem Gesamtbild fügt.“

Die Arbeit der Spurensicherung ist oft unsichtbar, aber von enormer Bedeutung. Ohne ihre Expertise wären viele Verbrechen nicht aufzuklären. Hagner und ihr Team leisten einen unverzichtbaren Beitrag zur Strafverfolgung.

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