Chefarzt soll vier minderjährige Patientinnen vergewaltigt haben
Chefarzt soll Patienten vergewaltigt haben

Der ehemalige Chefarzt der Kinder- und Jugendpsychiatrie im Duisburger Berta-Krankenhaus, Markus S. (60), muss sich ab sofort vor dem Landgericht Duisburg verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, zwischen 2019 und 2024 vier minderjährige Patientinnen in mindestens 97 Fällen vergewaltigt und sexuell missbraucht zu haben. Der Angeklagte wurde in Handschellen in den Saal geführt und versteckte sein Gesicht hinter einer Aktenmappe. Er wirkte blass und nervös, blickte immer wieder hektisch in den bis auf den letzten Platz gefüllten Zuschauerraum.

Missbrauch als angebliche Therapiemethode

Laut Anklage soll Markus S. den Mädchen eingeredet haben, die sexuellen Übergriffe seien Teil der Behandlung. Er habe ihnen verboten, mit anderen darüber zu sprechen, und sich als einzigen Helfer und Vertrauensperson dargestellt. Die Staatsanwältin sprach von einem besonders erniedrigenden Umgang mit den Opfern, die ohnehin psychisch stark belastet waren. Die meisten Taten sollen im Chefarztzimmer des Krankenhauses stattgefunden haben. Ein Opfer (16) soll der Psychiater mindestens 50 Mal sexuell missbraucht haben, 47 Mal davon ohne Kondom.

Weitere Tatorte und Opfer

Ein Mädchen bezeichnete der Angeklagte als eine Art Adoptivtochter. An einem weiteren Opfer soll er sich sogar im Jugendzimmer seines Sohnes zu Hause vergangen haben. Die Nebenklage-Anwältin berichtete, dass die Opfer bis heute schwer leiden. Ein Mädchen befinde sich in ständiger Suizidgefahr. „Den Opfern ging es sowieso schon psychisch sehr schlecht. Dieser schreckliche Missbrauch durch eine Vertrauensperson hat das Trauma noch mal massiv verstärkt“, so die Anwältin.

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Prozessauftakt und Verteidigung

Ob der Angeklagte sich vor Gericht zur Sache einlässt, ist unklar. Sein Rechtsanwalt Roland Rautenberg erklärte: „Es wird sich erst im Verlauf des Prozesses zeigen, ob und wie er zur Sache aussagt, wir müssen uns strategisch aufstellen. Es gilt die Unschuldsvermutung.“ Der Prozess wird voraussichtlich mehrere Wochen dauern. Die Öffentlichkeit verfolgt das Verfahren mit großer Anteilnahme.

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