Im Prozess um den Mord an dem achtjährigen Fabian aus Güstrow hat eine frühere enge Vertraute der Angeklagten Gina H. vor dem Landgericht Rostock ausgesagt. Die 52-jährige Frührentnerin Heike M. schilderte einen verstörenden Anruf, den Fund der Leiche an einem Tümpel und einen angeblichen Plan, die Entdeckung des Kindes als Zufall erscheinen zu lassen. Die Staatsanwaltschaft wirft Gina H. vor, Fabian am 10. Oktober 2025 erstochen zu haben, weil sie den Sohn ihres On-off-Partners Matthias R. für sich allein beansprucht habe.
Freundin schildert Schockanruf und emotionslose Reaktion
Heike M., die mit Gina H. im selben Mehrfamilienhaus in Güstrow wohnte, sagte aus, sie habe am Morgen des 14. Oktober 2025 einen Anruf von der Angeklagten erhalten. „Wir haben ihn gefunden. Er ist tot“, soll Gina H. gesagt haben. Die Zeugin betonte, nicht nur die Nachricht, sondern vor allem der Tonfall habe sie erschüttert. „Das hat mir die Füße weggehauen“, sagte Heike M. vor Gericht. Gina H. habe ruhig und fast emotionslos gesprochen. Die Freundin beschrieb die Beziehung zwischen Gina H. und Matthias R. als „sehr durchwachsen“ und „toxisch“. Als mögliche Motive nannte sie Eifersucht und Geld: Matthias R. hätte keinen Unterhalt mehr für Fabian zahlen müssen, und Gina H. hätte ihn nicht mehr mit der Mutter des Jungen teilen müssen.
Inszenierter Spaziergang als Alibi
Nach Darstellung der Zeugin hatte Gina H. in der Nacht zum 14. Oktober gemeinsam mit zwei Bekannten, Olaf K. und dem Jäger Christian D., Fabians Leiche gefunden. Dennoch habe zunächst niemand die Polizei alarmiert. Gina H. habe erklärt, sie habe die Männer schützen wollen, da Christian D. wegen eines Nachtsichtgeräts seinen Jagdschein hätte verlieren können. Stattdessen sei ein Plan entstanden, den Fund als Zufall erscheinen zu lassen: Heike M.s Hund sollte bei einem Spaziergang weglaufen und Fabian angeblich entdecken. „Ich war ihre beste Freundin“, sagte Heike M. und äußerte den Verdacht, sie sei als „Notnagel“ benutzt worden. Sie sei nur mitgefahren, um die Geschichte zu überprüfen und den Fundort wiederzufinden.
Verhalten am Fundort und Zweifel an Unschuld
Am Tümpel bei Klein Upahl sei Gina H. auffallend ruhig gewesen. Sie habe Heike M. gefragt: „Soll ich dir ein Bild machen?“ und erst nach mehrmaligem Drängen den Notruf gewählt. Bis zum Eintreffen der Polizei habe sie mit dem Handy gespielt. Als die Beamten ihr Handy beschlagnahmen wollten, habe sie geschrien und es krampfhaft festgehalten. Heike M. sagte noch am Fundort den Beamten, die Geschichte vom Hundespaziergang sei erfunden. In einem Polizeivermerk heißt es, die Zeugin habe geäußert, sie solle Gina H. „nur als Alibi“ dienen. Im Gerichtssaal habe die Angeklagte sie nicht einmal angesehen. Heike M. erklärte, sie glaube nicht an Gina H.s Unschuld. Die Angeklagte selbst hat bislang geschwiegen, ihr Verteidiger Thomas Löcker kündigte jedoch an, sie werde „unmittelbar nach der Sommerpause“ aussagen.



