Premierminister Starmer tritt nach Parteidruck zurück
Starmer tritt als Labour-Chef zurück

Der britische Premierminister Keir Starmer hat seinen Rücktritt als Parteivorsitzender der Labour-Partei angekündigt. In einer emotionalen Ansprache vor dem Regierungssitz 10 Downing Street erklärte der 63-Jährige, er werde den Posten als Labour-Chef aufgeben. Bis zur Wahl eines Nachfolgers bleibe er jedoch geschäftsführend im Amt des Premierministers.

Druck aus der eigenen Partei führte zur Entscheidung

Starmer beugte sich damit dem wochenlangen Druck aus den eigenen Reihen. Sein innerparteilicher Rivale Andy Burnham hatte durch einen Sieg bei der Nachwahl im Bezirk Makerfield einen Parlamentssitz errungen – die Voraussetzung, um den Premier herauszufordern. Berichten zufolge hätte Burnham Starmer zu einer Führungswahl gezwungen, wäre dieser nicht freiwillig zurückgetreten.

„Bei jeder Entscheidung, die ich getroffen habe, ging es darum, das Land, das ich liebe, an die erste Stelle zu setzen“, sagte Starmer mit brüchiger Stimme. Seine Partei habe gesprochen, und dem wolle er Gehör schenken: „Aus diesem Grund werde ich als Parteichef der Labour-Partei zurücktreten.“ Er kündigte an, sich nun Zeit für seine Familie zu nehmen, und umarmte kurz darauf seine Frau Victoria, die ihn vor der Downing Street begleitet hatte.

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Andy Burnham als Favorit für die Nachfolge

Der 56-jährige Andy Burnham, Bürgermeister von Greater Manchester, wird von britischen Medien als aussichtsreichster Kandidat für Starmers Nachfolge gehandelt. Er hatte in seiner Zeit als Bürgermeister den Spitznamen „König des Nordens“ erhalten, in Anspielung an die Fantasy-Serie „Game of Thrones“. Ob sich weitere Kandidaten wie der zurückgetretene Gesundheitsminister Wes Streeting aus der Deckung wagen, ist noch offen. Es wird jedoch erwartet, dass Streeting sich hinter Burnham einreiht und dafür mit einem Kabinettsposten belohnt wird.

Der für Labour einfachste Weg wäre, wenn ausschließlich Burnham seine Ambitionen auf die Parteiführung verkündete. Britische Medien bezeichnen diese Option als eine Art Krönung. Zwar gäbe es auch in diesem Fall eine Führungswahl, diese müsste aber nicht in einem langwierigen Verfahren von der Parteibasis entschieden werden.

Monatelange Krise und miserable Umfragewerte

Starmer durchlebte seit Monaten eine schwere Krise. Auslöser der jüngsten Zuspitzung war eine schwere Niederlage für Labour bei den Kommunal- und Regionalwahlen in England, Schottland und Wales im Mai zugunsten der Rechtspopulisten von Reform UK. Bereits unmittelbar nach der Wahlschlappe forderten etliche Abgeordnete Starmers Rücktritt – doch der Premier hielt mit Verweis auf seinen Wahlsieg von 2024 lange an seinem Amt fest.

Auch kurz vor und nach der Makerfield-Wahl hatte sich Starmer noch kämpferisch gegeben und angekündigt, sich einer Führungswahl stellen zu wollen. Während des Wochenendes auf seinem Landsitz Chequers änderte er jedoch seine Meinung.

Vom Wahlsieger zum Verlierer

Starmer und seine Partei hatten im Sommer 2024 einen großen Wahlsieg errungen und waren mit einer satten Mehrheit im Unterhaus in die Legislaturperiode gegangen. Wirklich nutzen konnte Starmer dies aber nie. Etliche Gesetzesvorhaben scheiterten am Widerstand in den eigenen Reihen. Zudem liegt die Regierungspartei seit Monaten in Umfragen hinter Reform UK, die nun erneut vom Chaos in der Downing Street profitieren könnten.

Die Briten sind es seit dem Brexit-Referendum vor zehn Jahren gewohnt, dass sich die Regierungschefs die Klinke in die Hand geben. Starmers Nachfolger oder Nachfolgerin wird bereits die siebte Person auf dem Posten innerhalb der vergangenen zehn Jahre sein.

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