Bei einem Gewaltverbrechen in einer Jugendhilfeeinrichtung im niedersächsischen Stade sind am Mittag fünf Erwachsene getötet worden. Die Polizei nahm zwei Verdächtige fest, darunter den mutmaßlichen Schützen. Das Motiv der Tat ist noch völlig unklar.
Schüsse und Schreie erschüttern die Kleinstadt
Gegen 12:10 Uhr drangen laute Schreie aus der Einrichtung mit Mutter-Kind-Wohngruppen westlich von Hamburg. Ein Zeuge, Vitali Martens, berichtete dem „Stader Tageblatt“: „Ich hab’ Schüsse gehört.“ Er kam gerade vom Einkaufen und sah überall Polizisten. Die traurige Erkenntnis folgte wenig später: Fünf Erwachsene waren tot, mehrere Menschen zum Teil schwer verletzt.
Ein anderer Zeuge schilderte „Focus Online“, was sich kurz darauf auf der Straße ereignet haben soll: Eine Frau und ein junger Mann hätten versucht, vom Tatort wegzufahren. Ein Polizist habe gebrüllt: „Anhalten, stehen bleiben.“ Das Auto sei weitergefahren. Daraufhin hätten mehrere Beamte das Feuer eröffnet. Der Zeuge schätzte, dass mindestens zehn bis fünfzehn Schüsse fielen. Durch sein geöffnetes Fenster habe er den Polizeifunk aufgeschnappt und Fetzen wie „Brustschuss“ und „Kopfschuss“ gehört. Später hätten Einsatzkräfte eine Person auf einer Trage aus dem Haus gehoben und versucht, sie zu reanimieren.
Polizei: Zwei Verdächtige festgenommen
Die Polizei nannte zunächst keine Details. Nur so viel: Die Einsatzkräfte fanden vier Tote in der Einrichtung. Eine weitere Person sei vor dem Haus reanimiert worden – jedoch ohne Erfolg. Die Ermittler waren nach eigenen Angaben schnell vor Ort, da eine Wache in der Nähe ist. So konnten sie zwei Verdächtige festnehmen, darunter den mutmaßlichen Schützen. Welche Rolle die zweite Person gespielt hat, verrieten sie nicht.
Das Motiv der Tat ist noch völlig unklar. „Die Hintergründe der Tat sind derzeit Gegenstand der Ermittlungen“, sagte ein Polizeisprecher am Nachmittag am Tatort. Einen Bezug zur sogenannten Clankriminalität schlossen die Ermittler nach ersten Erkenntnissen jedoch aus.
Großaufgebot an Einsatzkräften und Spurensicherung
Polizei und Rettungskräfte waren mit einem Großaufgebot vor Ort. Eine dreistellige Zahl an Helfern war im Einsatz. Kriminaltechniker in weißen Overalls sicherten Spuren, Absperrbänder riegelten den Tatort ab, Einsatzfahrzeuge versperrten die Straßen. Die Behörden forderten Anwohner auf, den Bereich weiträumig zu meiden.
In der Stadtverwaltung war der Schrecken groß. Eine Kindertagesstätte und eine Grundschule liegen nicht weit vom Tatort entfernt, wie ein Sprecher der Hansestadt schilderte. Die Stadt habe sofort Kontakt zu den beiden Einrichtungen aufgenommen. Die Kinder und Mitarbeiter seien nicht in Gefahr gewesen.
Stadtrat zeigt tiefes Mitgefühl
Stades Stadtrat Carsten Brokelmann (Freie Wählergemeinschaft) sagte in einer Mitteilung: „Wir sind froh, dass es unseren Mitarbeitenden und den Kindern in Kita und Grundschule gut geht und ich bedanke mich bei den Polizistinnen und Polizisten für ihren Einsatz in dieser unübersichtlichen Lage. Gleichzeitig gilt unser tiefes Mitgefühl den Opfern dieser schrecklichen Tat sowie deren Hinterbliebenen.“ Er vertraue darauf, dass die Hintergründe bald ermittelt würden.
Notfallseelsorger unterstützen Angehörige
Stade hat knapp 48.700 Einwohner und gehört zur Metropolregion Hamburg. Die Hansestadt liegt rund 40 Kilometer von Hamburg entfernt und ist als westliches Tor zum Alten Land bekannt, dem größten zusammenhängenden Obstanbaugebiet Deutschlands. Das Verbrechen ist für viele in der malerischen Stadt unfassbar. Die Schüsse fielen in einer ruhigen Wohngegend zwischen Einfamilienhäusern aus Backstein und Spielstraßen. Nach und nach trafen dort immer mehr Angehörige ein, wie eine dpa-Reporterin berichtete. Sie wirkten aufgewühlt und hofften, ihre Familienmitglieder abholen zu können. Ein Team der Krisenintervention versuchte, die Angehörigen, Zeugen und Einsatzkräfte zu begleiten.



