Gina H. im Mordprozess: Widersprüche in ihrer dramatischen Biografie
Gina H.: Widersprüche in ihrer dramatischen Biografie

Im Mordprozess um den erstochenen achtjährigen Fabian sorgt die Angeklagte Gina H. mit ihrer dramatischen Lebensgeschichte für Verwirrung. Die 32-Jährige berichtet von Vergewaltigungen, Prügel, schwerer Krankheit und einer Schul-Hölle. Sie leide unter Depressionen, Borderline und einer sozialen Phobie – ein Leben voller Leid, so ihre Darstellung. Doch Richter, Gutachter und Zeugen stoßen immer wieder auf Widersprüche.

Widersprüchliche Angaben zur Vorgeschichte

Laut Gerichtsakten habe Gina H. angegeben, in ihrer Kindheit mehrfach vergewaltigt worden zu sein. Ein Gutachter sagte jedoch aus, dass diese Angaben nicht durch medizinische Unterlagen gestützt würden. „Es gibt keine Krankenhausberichte oder ärztlichen Atteste, die ihre Behauptungen belegen“, so der Psychiater Dr. Markus Weber. Auch ihre angeblichen Aufenthalte in psychiatrischen Kliniken ließen sich nicht nachvollziehen.

Zweifel an der Diagnose Borderline

Ein weiterer Streitpunkt ist die Diagnose Borderline-Persönlichkeitsstörung. Während Gina H. selbst betont, seit Jahren daran zu leiden, zweifeln Sachverständige an der Echtheit der Diagnose. „Die Symptome, die sie beschreibt, sind sehr vage und entsprechen nicht dem klassischen Krankheitsbild“, erklärte die forensische Psychiaterin Dr. Sabine Lorenz. Zudem habe sie in der Untersuchungshaft keine Anzeichen einer schweren psychischen Störung gezeigt.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Die Tatnacht und ihre Folgen

In der Tatnacht soll Gina H. Fabian in dessen Wohnung in Rostock mit mehreren Messerstichen getötet haben. Die Obduktion ergab 17 Stichverletzungen, davon drei tödliche. Die Staatsanwaltschaft geht von Mord aus niedrigen Beweggründen aus. Die Verteidigung hingegen plädiert auf verminderte Schuldfähigkeit aufgrund einer psychischen Erkrankung.

Zeugen widersprechen ihrer Darstellung

Mehrere Zeugen, darunter Nachbarn und ehemalige Arbeitskollegen, beschreiben Gina H. als „unauffällig“ und „normal“. Eine frühere Mitbewohnerin sagte aus: „Sie hat nie von Vergewaltigungen oder schweren Krankheiten erzählt. Sie wirkte eher fröhlich und ausgeglichen.“ Dies steht im krassen Gegensatz zu den Schilderungen der Angeklagten.

Experten uneins über Schuldfähigkeit

Die Frage der Schuldfähigkeit spaltet die Gutachter. Während der erste Sachverständige eine schwere psychische Störung diagnostizierte und eine verminderte Schuldfähigkeit annahm, sieht ein zweiter Gutachter keine Anzeichen für eine relevante Erkrankung. „Die Widersprüche in ihrer Biografie lassen Zweifel an der Glaubwürdigkeit ihrer Aussagen aufkommen“, so Dr. Lorenz. Das Gericht muss nun entscheiden, ob Gina H. voll schuldfähig ist oder nicht.

Prozess geht weiter

Der Prozess wird in den kommenden Wochen fortgesetzt. Weitere Zeugen und Gutachter sollen gehört werden, um Licht in die widersprüchliche Biografie der Angeklagten zu bringen. Das Urteil wird frühestens im Herbst erwartet.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration