Hitlers Geburtshaus in Braunau: Polizei zieht am 22. Juli ein
Hitlers Geburtshaus: Polizei zieht am 22. Juli ein

Das Geburtshaus von Adolf Hitler in Braunau am Inn erhält eine neue Bestimmung: Am 22. Juli 2026 soll das Bezirkspolizeikommando und die Polizeiinspektion Braunau in das umgebaute Gebäude einziehen. Das österreichische Innenministerium gab dies am Freitag bekannt. Das Haus in der Salzburger Vorstadt 15 ist seit Jahrzehnten ein Symbol der Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit.

Jahrzehntelanger Streit um die Nutzung

Das Gebäude, in dem Hitler am 20. April 1889 geboren wurde, stand lange im Mittelpunkt kontroverser Diskussionen. Nach dem „Anschluss“ Österreichs 1938 wurde es von den Nationalsozialisten propagandistisch genutzt. Kurz vor Kriegsende 1945 versuchten Nazis, das Haus zu sprengen, was verhindert werden konnte. 1972 mietete das österreichische Innenministerium das Haus an, um es einer Pilgerstätte für Neonazis zu entziehen. In den folgenden Jahrzehnten waren dort unter anderem die Stadtbibliothek, eine Schule und eine Werkstatt für Menschen mit Behinderung untergebracht.

Nach längerem Leerstand ging das Haus 2017 in Staatseigentum über. Die bisherige Eigentümerin, eine ältere Frau, wurde enteignet und erhielt eine Entschädigung von 812.000 Euro. Eine Expertenkommission empfahl eine behördlich-administrative Nutzung. Seit Herbst 2023 wird das Haus für rund 20 Millionen Euro umgebaut. Das Architekturbüro orientierte sich dabei am Erscheinungsbild des 17. Jahrhunderts.

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Kritik an der Polizeistation

Nicht alle Braunauer begrüßen die neue Nutzung. Ludwig Laher, Mitglied des Mauthausen-Komitees Österreich, das Holocaust-Opfer vertritt, sagte der Nachrichtenagentur AFP: „Eine Polizeistation ist deshalb problematisch, weil die Polizei in jedem politischen System das, was der Staat will, zu schützen hat. Widerstand innerhalb der Polizei ist ein seltenes Phänomen.“ Andere Bürger kritisieren, das Haus werde durch die Polizeinutzung zu einem unzugänglichen Ort, oder bemängeln eine fehlende geschichtliche Aufarbeitung.

Einige Braunauer hätten das Haus am liebsten komplett neutralisiert, sodass nichts mehr an Hitler erinnert. Ein schmuckloser Gedenkstein vor dem Haus mahnt jedoch: „Für Frieden, Freiheit und Demokratie. Nie wieder Faschismus. Millionen Tote mahnen.“

Historische Bürde der Stadt

Braunau am Inn, eine Kleinstadt mit knapp 18.000 Einwohnern, trägt schwer an der historischen Last. Hitler selbst schrieb in „Mein Kampf“: „Als glückliche Bestimmung gilt es mir heute, dass das Schicksal mir zum Geburtsort gerade Braunau am Inn zuwies.“ Für die Bewohner ist die Verbindung ihrer Stadt mit einem der schlimmsten Verbrecher der Menschheitsgeschichte eine ewige Bürde. Die Diskussion um den richtigen Umgang mit dem Haus wird wohl auch nach dem Einzug der Polizei weitergehen.

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