Der Telekommunikationsanbieter O2 Telefónica streicht in Deutschland jede sechste Stelle. Wie das Unternehmen am Mittwoch in München mitteilte, soll die Zahl der Vollzeitstellen bis Ende 2026 um bis zu 1100 sinken. Betroffen sind rund 16 Prozent der Belegschaft. Im Januar 2026 hatte die Firma noch 6820 Vollzeitstellen beschäftigt.
Kostensenkung um 185 Millionen Euro geplant
Bis 2028 will O2 seine jährlichen Kosten um rund 185 Millionen Euro senken. Die erste Phase der Restrukturierung umfasst den Abbau von 1100 Stellen und die Schließung von 60 der rund 800 O2-Shops. Betroffen sind eigene Standorte, nicht Franchise-Partner. Die Kosten für diese Maßnahmen belaufen sich auf 265 Millionen Euro, für die Rückstellungen gebildet werden.
„Mit den Maßnahmen sichern wir die Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit von Telefónica Deutschland“, sagte Deutschlandchef Santiago Argelich Hesse. „Wir vereinfachen die Organisation, bündeln Tätigkeiten und intensivieren den Einsatz Künstlicher Intelligenz in zentralen Abläufen.“ Den Beschäftigten werden Abfindungen und andere Angebote für einen freiwilligen Austritt angeboten.
Weitere Sparrunde ab 2027
Im nächsten Jahr sollen die Kürzungen fortgesetzt werden. Die Organisation werde bis 2028 „bedarfsgerecht weiter verschlanken“, heißt es in der Unternehmensmitteilung. Dann steht vor allem der Bereich Callcenter und Vertrieb im Fokus. Für diese zweite Sparrunde sind Rückstellungen von bis zu 155 Millionen Euro vorgesehen. Ab 2028 sollen die jährlichen Kosten dann um die angestrebten 185 Millionen Euro gesunken sein.
Verlust von Großkunden 1&1 als Auslöser
Hintergrund des Stellenabbaus ist der Verlust des größten Firmenkunden. 1&1 hatte jahrelang das O2-Netz genutzt und dafür Miete gezahlt. Inzwischen ist der Anbieter mit seinen 12 Millionen Handykunden zum Konkurrenten Vodafone gewechselt. Dadurch fehlen O2 erhebliche Einnahmen. Der langjährige Firmenchef Markus Haas verließ das Unternehmen Ende 2025. Anfang 2026 übernahm der Deutsch-Spanier Argelich Hesse die Führung, um den Konzern wieder auf Kurs zu bringen.
Netzabdeckung im Vergleich
Laut Bundesnetzagentur erreichte O2 Telefónica im Dezember 2025 mit seinem 4G-Netz 88,6 Prozent der Fläche Deutschlands, mit 5G 76,2 Prozent. Der Abstand zur Telekom hat sich damit verringert: Die Telekom kommt auf 92,5 Prozent (4G) und 87,9 Prozent (5G). Vodafone erreicht 91,7 Prozent bei 4G und 75,7 Prozent bei 5G. O2s Hauptgeschäft ist der Mobilfunk; Festnetz-Internet wird über das Netz von Konkurrenten angeboten und ist ein Nebengeschäft.



