Die Polizei hat am Dienstagmorgen Räume der Justizvollzugsanstalt (JVA) Rheinbach sowie mehrere Wohnungen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz durchsucht. Hintergrund sind Ermittlungen gegen acht Justizbedienstete im Alter zwischen 28 und 59 Jahren. Die fünf Männer und drei Frauen stehen im Verdacht, gegen Bezahlung Handys und Drogen in das Gefängnis geschmuggelt zu haben. Auch gegen Inhaftierte und ehemalige Inhaftierte wird ermittelt.
Durchsuchungen in mehreren Städten
Nach Angaben der Bonner Polizei wurden neben der JVA Wohnungen in Köln, Euskirchen, Rheinbach und Siegburg sowie in den Landkreisen Mayen-Koblenz und Neuwied durchsucht. Insgesamt waren etwa 60 Einsatzkräfte beteiligt. Neun Durchsuchungsbeschlüsse sollten vollstreckt werden – sechs in NRW und drei in Rheinland-Pfalz. Die Beamten suchten nach Beweismitteln wie Handys und Schriftstücken.
Schmuggel gegen Geld
Konkret sollen die Beschuldigten nach dpa-Informationen gegen Geld Handys und Drogen von außen in die JVA geschmuggelt und Insassen übergeben haben. Die verbotenen Gegenstände waren den Gefängnismitarbeitern draußen von Angehörigen oder Freunden der Häftlinge übergeben worden. Die Ermittlungen richten sich nicht nur gegen die Bediensteten, sondern auch gegen Insassen und ehemalige Insassen.
Zweite Razzia in kurzer Zeit
Erst Anfang Mai hatte die Polizei Räume der JVA Euskirchen durchsucht. Dort wird gegen mehrere Bedienstete und ehemalige Häftlinge ermittelt. Die Gefängnismitarbeiter sollen regelrechte „Bestechungs-Abos“ verkauft haben, bei denen Häftlinge gegen monatliche Zahlung vor Kontrollen gewarnt wurden. Zudem war in der JVA Euskirchen das Innenleben von zwei elektronischen Generalschlüsseln verschwunden, deren Verbleib bislang ungeklärt ist. Die JVA Euskirchen ist eine Anstalt des offenen Vollzugs, während in Rheinbach die Häftlinge tagsüber nicht aus dem Gefängnis dürfen. Laut Polizei Bonn gibt es zwischen den beiden Fällen keinen direkten Zusammenhang.



