Lebenslange Haft für Palliativarzt wegen 15-fachen Mordes an Patienten
Lebenslange Haft für Palliativarzt wegen 15 Morden

Das Landgericht Berlin hat einen 41-jährigen Palliativmediziner wegen 15-fachen Mordes an Patienten zu lebenslanger Haft verurteilt. Die Kammer stellte die besondere Schwere der Schuld fest, ordnete Sicherungsverwahrung nach der Haftstrafe an und verhängte ein lebenslanges Berufsverbot. Damit folgte das Gericht dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigung hatte sich gegen die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld und die Sicherungsverwahrung ausgesprochen.

Hintergrund der Taten: Tödliche Medikamentencocktails bei Hausbesuchen

Nach Überzeugung des Gerichts verabreichte der Mediziner zwischen 2021 und 2024 zwölf Frauen und drei Männern ein tödliches Gemisch verschiedener Medikamente. Die Opfer waren zwischen 25 und 94 Jahre alt und alle schwer krank, ihr Tod stand jedoch nicht unmittelbar bevor. Der Arzt hatte die Taten bei Hausbesuchen begangen. Ursprünglich war nur wegen vier Fällen ermittelt worden, später weitete sich der Verdacht auf 15 Morde aus.

Überraschendes Geständnis und Reue

Nach monatelangem Schweigen legte der Arzt am 25. Juni ein überraschendes Geständnis ab. Er gab zu, zwölf schwer kranke Patienten getötet zu haben. In seiner Erklärung hieß es, er habe sich eingeredet, das Richtige zu tun und den Patienten „Leid und Siechtum“ zu ersparen. Zum Abschluss des Prozesses entschuldigte er sich erneut bei den Hinterbliebenen. Der verheiratete Vater eines Sohnes im Grundschulalter sitzt seit Anfang August 2024 in Untersuchungshaft.

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Ermittlungen durch Brände ausgelöst

Auslöser der Ermittlungen waren Brände, die der Arzt gelegt haben soll, um die Tötungen zu verdecken. Zunächst wurde wegen Brandstiftung mit Todesfolge ermittelt. Dabei geriet der Angeklagte zunehmend in den Fokus. Hinweise des Pflegedienstes, für den er gearbeitet hatte, trugen laut Staatsanwaltschaft maßgeblich zur Aufklärung bei. Das Landeskriminalamt Berlin richtete eine spezielle Ermittlungsgruppe des Morddezernats ein, die Hunderte Patientenunterlagen auswertete. Im April 2025 erhob die Staatsanwaltschaft schließlich Anklage in 15 Fällen gegen den in Frankfurt am Main geborenen Mann, den Patienten, Angehörige und Kollegen als einfühlsam beschrieben hatten.

Weitere Anklagen und möglicher Prozess

Die Staatsanwaltschaft ermittelt eigenen Angaben zufolge in 76 weiteren Fällen und rechnet mit einer weiteren Anklage noch in diesem Jahr. Mit Blick darauf kündigte der Arzt in seinem letzten Wort vor Gericht an: „Ich werde mich in dem kommenden Verfahren deutlich früher einlassen.“ Der Fall könnte einer der größten bundesweit sein. Zum Vergleich: Die Mordserie des ehemaligen Pflegers Niels Högel in Niedersachsen gilt mit 85 Morden als die wohl größte der deutschen Nachkriegsgeschichte. Högel wurde 2019 zu lebenslanger Haft verurteilt; sein Motiv war laut Gericht die „Gier nach Spannung“.

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