IWF senkt Deutschland-Prognose: Nur 0,7 Prozent Wachstum 2026
IWF senkt Deutschland-Prognose auf 0,7 Prozent

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat seine Wachstumsprognose für die deutsche Wirtschaft erneut gesenkt. Grund sind die anhaltenden Folgen des Iran-Kriegs und die dadurch gestiegenen Energiepreise. Für das laufende Jahr rechnen die Experten nun mit einem Plus von 0,7 Prozent – 0,1 Prozentpunkte weniger als noch im April erwartet. Auch für 2027 fällt die Prognose mit 1,0 Prozent um 0,2 Prozentpunkte niedriger aus. Die Organisation mit Sitz in Washington teilte mit, dass sich die Bundesrepublik bis einschließlich 2027 schwächer entwickeln dürfte als bislang gedacht.

Deutsche Wirtschaft: Pessimistische Vorhersagen reihen sich

Mit seiner gesenkten Prognose reiht sich der IWF in eine Reihe pessimistischer Einschätzungen ein. Sowohl die Bundesregierung als auch ihr Beratungsgremium, die sogenannten Wirtschaftsweisen, rechnen mit einem mageren Wirtschaftswachstum von lediglich 0,5 Prozent in diesem Jahr. Auch die Bundesbank erwartet nur ein Mini-Wachstum von kalenderbereinigt 0,5 Prozent. 2025 war Deutschland mit einem Mini-Plus von 0,2 Prozent nur knapp am dritten Jahr ohne Wachstum in Folge vorbeigeschrammt.

Weltwirtschaft wächst stärker, Eurozone schwächer

Während die Aussichten für Deutschland gedämpft bleiben, zeigt sich für die Weltwirtschaft ein optimistischeres Bild – wenngleich auch hier Abstriche gemacht werden müssen. Das globale Wachstum dürfte in diesem Jahr nach IWF-Schätzungen 3,0 Prozent betragen, 0,1 Prozentpunkte weniger als im April avisiert. Für 2027 rechnen die Ökonomen jedoch mit einem stärkeren Plus von 3,4 Prozent – 0,2 Prozentpunkte mehr als zuvor erwartet.

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Die Eurozone entwickelt sich hingegen etwas schwächer als bislang gedacht. In diesem Jahr rechnet der IWF mit einem Plus von 0,9 Prozent, was 0,2 Prozentpunkte unter der vorherigen Prognose liegt. Für 2027 wird ein Wachstum von 1,2 Prozent erwartet.

IWF warnt vor Folgen des Iran-Kriegs für Rohstoffpreise

Der IWF warnte eindringlich vor den wirtschaftlichen Folgen eines erneuten Aufflammens des Iran-Kriegs. Dies könnte die Unsicherheit bei den Rohstoffpreisen weiter verstärken. Lieferketten könnten gefährdet und Preise noch stärker in die Höhe getrieben werden. Zwar hätten sich die Energiemärkte nach der Blockade der Straße von Hormus schneller beruhigt als erwartet, hieß es in dem Bericht. Dennoch: „Die Energiepreise liegen ungefähr 25 Prozent höher als vor dem Krieg.“

Eine Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran sowie ein Rahmenabkommen hatten die Märkte zuletzt etwas beruhigt. Die Preise kühlten sich von ihren Höchstständen im April etwas ab. Allerdings bleibt die Lage im Nahen Osten unsicher. Die USA setzten am Dienstag die zuvor gelockerten Sanktionen auf iranisches Öl wieder in Kraft. Eine vor gut zwei Wochen erteilte Ausnahmegenehmigung wurde zurückgenommen, wie das US-Finanzministerium mitteilte. Die Ölmärkte reagierten umgehend mit Preisaufschlägen.

KI-Fortschritte federn Abschwung ab

Abgefedert wurde der wirtschaftliche Abschwung unterdessen durch die Entwicklung bei Künstlichen Intelligenzen. Fortschritte und die Einführung von KI-Modellen unterstützten den wirtschaftlichen Aufschwung, hieß es in dem IWF-Bericht. Länder wie Südkorea und Taiwan, die Hardware für KI exportieren, verzeichnen dadurch deutliche Wachstumssprünge.

Inflation bleibt hartnäckig hoch

Aufgrund der erhöhten Energiepreise kletterte die weltweite Gesamtinflation im Mai den dritten Monat in Folge. Für das laufende Jahr rechnet der IWF mit einer Teuerungsrate von 4,7 Prozent – im April hatte er noch 4,4 Prozent erwartet. Zwar dürfte die Inflation 2027 dann wieder niedriger liegen, mit 3,9 Prozent liegt sie aber fast doppelt so hoch wie das langfristige Zwei-Prozent-Ziel und zudem 0,2 Prozentpunkte höher als im April prognostiziert.

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Angesichts der hartnäckigen Inflation geht der IWF davon aus, dass die Leitzinsen der Zentralbanken in den USA und der Eurozone vorerst weitgehend stabil bleiben. Aufgrund des anhaltenden Preisdrucks bei gleichzeitig nur moderat abgekühlter Wirtschaftsauslastung sei mit einer spürbaren Lockerung der Geldpolitik zur Unterstützung des Wachstums vorerst nicht zu rechnen. Die US-Notenbank Federal Reserve beließ den Leitzins zuletzt bei 3,5 bis 3,75 Prozent. Die Europäische Zentralbank hob hingegen erstmals seit fast drei Jahren den Einlagenzins um 0,25 Prozentpunkte auf 2,25 Prozent an.

Sind die Prognosen bereits wieder überholt?

Bei seinen Prognosen geht der IWF davon aus, dass die Wiedereröffnung der Straße von Hormus Mitte Juli beginnt und Schiffe schrittweise wieder durchfahren können. Die Meerenge ist für den globalen Energiehandel von entscheidender Bedeutung. Die Lage dürfte sich nach dieser Annahme bis März 2027 weitgehend auf den Vorkriegszustand eingependelt haben. Schwere Engpässe würden dadurch vermieden, dass Staaten ihre Lagerbestände anzapfen. In einigen Schwellen- und Entwicklungsländern sei dies aufgrund fehlender Vorräte jedoch nicht möglich, betonte der IWF.

Angesichts der jüngsten Eskalation zwischen Washington und Teheran scheinen diese Szenarien jedoch unwahrscheinlicher geworden: Das US-Militär hatte in Reaktion auf Attacken gegen Tanker in der Straße von Hormus in der vergangenen Nacht Dutzende Ziele im Iran bombardiert. Zudem setzten die USA Sanktionen auf iranisches Öl wieder in Kraft. Irans Militär kündigte Medienberichten zufolge eine Reaktion auf die US-Angriffe an. Kurz darauf meldete die Armee des mit Washington verbündeten Golfstaats Kuwait feindlichen Beschuss. Auch in Bahrain heulten am frühen Morgen die Sirenen.