Seit Mittwochfrüh ist der neue „Urbanliner“ der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) auf der Linie M4 im Einsatz – ohne offizielle Ankündigung. Die mehr als 50 Meter lange Straßenbahn, die bereits vor Jahren hätte in Betrieb gehen sollen, wurde still und heimlich in den Fahrgastbetrieb aufgenommen. Die Premierenfahrt für Politik und Presse ist erst für den kommenden Mittwoch geplant.
Verspäteter Start des Großzugs
Der Urbanliner, der mit einer Länge von über 50 Metern zu den längsten Straßenbahnen Europas zählt, sollte ursprünglich bereits 2020 auf den Schienen rollen. Aufgrund von Verzögerungen bei der Auslieferung und technischen Problemen verzögerte sich der Start jedoch um Jahre. Nun ist der Zug erstmals im regulären Linienverkehr unterwegs, ohne dass die Öffentlichkeit vorab informiert wurde.
Ein Sprecher der BVG erklärte auf Nachfrage: „Wir haben den Zug zunächst im stillen Betrieb getestet, um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten. Die offizielle Vorstellung folgt dann nächste Woche.“ Von den Fahrgästen sei der neue Zug kaum bemerkt worden, da er äußerlich den anderen Bahnen ähnele.
Technische Daten und Kapazität
Der Urbanliner bietet Platz für rund 300 Fahrgäste – etwa doppelt so viele wie herkömmliche Straßenbahnen der BVG. Er ist mit modernster Technik ausgestattet, darunter Klimaanlagen, digitale Fahrgastinformationssysteme und Niederflurbereiche für einen barrierefreien Einstieg. Die maximale Geschwindigkeit beträgt 70 km/h.
Bereits am Mittwochmorgen war der Tagesspiegel mit dem neuen Zug unterwegs. Laut einem Bericht von Redakteur Jörn Hasselmann verlief die Fahrt weitgehend unspektakulär: „Der Zug rollte leise und ruhig durch die Stadt – die Fahrgäste schienen kaum zu registrieren, dass sie in einem völlig neuen Fahrzeug unterwegs waren.“
Einsatz auf der Linie M4
Die Linie M4 verbindet den Alexanderplatz mit dem Nordosten Berlins, unter anderem über die Haltestellen Greifswalder Straße und Antonplatz. Der Urbanliner soll künftig vor allem zu Stoßzeiten für mehr Kapazität sorgen. Die BVG plant, in den kommenden Monaten weitere dieser Großzüge auf anderen Linien einzusetzen.
Die Verspätung des Projekts hatte immer wieder für Kritik gesorgt. Ursprünglich waren die ersten Fahrzeuge bereits 2019 bestellt worden. Lieferengpässe und Nachbesserungen führten jedoch zu mehrjährigen Verzögerungen. Insgesamt hat die BVG 45 Urbanliner bestellt, die bis 2025 ausgeliefert werden sollen.
Reaktionen aus der Politik
Berlins Verkehrssenatorin (Grüne) begrüßte die Inbetriebnahme: „Der Urbanliner ist ein wichtiger Schritt für den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs in Berlin. Er wird dazu beitragen, dass mehr Menschen umweltfreundlich unterwegs sein können.“ Die Opposition im Abgeordnetenhaus kritisierte hingegen die fehlende Transparenz: „Die BVG hätte die Berlinerinnen und Berliner früher informieren müssen. Stattdessen wird der Start unter Ausschluss der Öffentlichkeit vollzogen.“
Für die Fahrgäste ändert sich vorerst wenig: Der Urbanliner verkehrt im normalen Takt der M4. Eine offizielle Einweihungsfahrt mit Senatorin und Presse ist für den kommenden Mittwoch geplant. Dann soll der Zug auch der breiten Öffentlichkeit vorgestellt werden.



