Magdeburg-Prozess: Zeugen vermissen Antworten vom Todesfahrer
Magdeburg-Prozess: Zeugen vermissen Antworten

Das Landgericht Magdeburg steht kurz vor der Urteilsverkündung im Prozess gegen den Todesfahrer vom Weihnachtsmarkt. Überlebende und Angehörige haben in den vergangenen Wochen als Zeugen ausgesagt – und viele von ihnen zeigen sich enttäuscht. „Ich wollte Antworten, die ich nicht bekommen habe“, sagte ein Zeuge nach seiner Vernehmung.

Prozessende naht: Was bleibt nach den Verhandlungen?

Seit Monaten beschäftigt der Fall die Justiz. Der Angeklagte, ein 50-jähriger Mann, war im Dezember 2025 mit einem Geländewagen in eine Menschenmenge auf dem Magdeburger Weihnachtsmarkt gefahren. Fünf Menschen starben, Dutzende wurden verletzt. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm fünffachen Mord sowie versuchten Mord in 67 Fällen vor. Der Prozess begann im März 2026 und zog sich über mehrere Wochen.

Die Zeugenaussagen waren ein zentraler Bestandteil der Beweisaufnahme. Viele Überlebende schilderten detailliert die Sekunden des Schreckens. Ein 34-jähriger Vater berichtete, wie er seine Tochter (8) aus der Bahn des Fahrzeugs retten konnte. „Ich renne, ich schreie, ich sehe den Wagen auf uns zukommen. Das vergesse ich nie“, sagte er vor Gericht. Andere Zeugen zeigten sich jedoch frustriert über die mangelnde Kooperation des Angeklagten. Dieser hatte sich zu den Vorwürfen nicht geäußert und nur über seinen Anwalt erklären lassen, dass er aus gesundheitlichen Gründen schweige.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

„Er hätte etwas sagen können“: Zeugen kritisieren Schweigen des Angeklagten

Eine 42-jährige Zeugin, die bei der Tat schwer verletzt wurde, sagte: „Ich habe gehofft, dass er wenigstens sagt, warum. Aber da kam nichts.“ Die Enttäuschung war unter den Prozessbeteiligten spürbar. Der Vorsitzende Richter hatte mehrfach versucht, den Angeklagten zu einer Aussage zu bewegen – vergeblich. „Das Schweigen des Angeklagten ist sein gutes Recht. Aber für die Opfer ist es eine zusätzliche Belastung“, erklärte der Richter in einer Sitzung.

Insgesamt wurden 43 Zeugen gehört, darunter 22 Überlebende, 15 Angehörige von Opfern und 6 Polizeibeamte. Die Vernehmungen erstreckten sich über 14 Verhandlungstage. Ein psychiatrischer Gutachter bescheinigte dem Angeklagten volle Schuldfähigkeit, obwohl er eine narzisstische Persönlichkeitsstörung diagnostizierte. Die Staatsanwaltschaft forderte in ihrem Plädoyer lebenslange Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung.

Urteil erwartet: Welche Strafe droht dem Todesfahrer?

Das Urteil wird für den 29. Juni 2026 erwartet. Die Verteidigung plädierte auf eine geringere Strafe mit der Begründung, der Angeklagte habe unter dem Einfluss von Medikamenten gehandelt. Die Gutachter widersprachen jedoch: Die Medikamente hätten seine Steuerungsfähigkeit nicht aufgehoben. Sollte das Gericht der Anklage folgen, droht dem Mann eine lebenslange Freiheitsstrafe. Die Sicherungsverwahrung würde bedeuten, dass er auch nach Verbüßung der Strafe nicht freikommt, wenn von ihm weiterhin Gefahr ausgeht.

Für die Überlebenden bleibt der Prozess ein einschneidendes Erlebnis. „Ich bin froh, dass es vorbei ist. Aber geholfen hat es mir nicht“, sagte ein Zeuge nach der letzten Verhandlung. Die Stadt Magdeburg plant eine Gedenkstätte für die Opfer der Amokfahrt. Die Einweihung ist für Dezember 2026 vorgesehen, genau ein Jahr nach der Tat.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration