Das Landgericht Berlin hat einen 32-jährigen chinesischen Mediziner zu fünf Jahren Haft verurteilt. Der Angeklagte wurde der Beihilfe zur Vergewaltigung sowie zur sexuellen Nötigung in drei Fällen für schuldig befunden. Der promovierte Mediziner hatte in einer Chatgruppe wiederholt Ratschläge zur Sedierung von Frauen gegeben, die später für sexualisierte Gewalt genutzt wurden.
Urteil: Fünf Jahre Haft wegen Beihilfe
Der Vorsitzende Richter bezeichnete die Taten als „frauenverachtend“: „Weil Frauen zu reinen Objekten degradiert werden.“ Der Angeklagte habe als Mitglied eines Netzwerks innerhalb der Chatgruppe konkrete Hinweise zur Betäubung von Opfern gegeben. Ein Mitglied der Gruppe habe serienmäßig Frauen überfallen und vergewaltigt – der Angeklagte empfahl ihm ein spezifisches Beruhigungsmittel. Aus den Chatnachrichten ergab sich, dass der Täter dieses Mittel tatsächlich einsetzte. Das Gericht habe „keine Zweifel, dass das eine Beihilfe ist“, so der Richter.
Verlobte sediert und sexuell genötigt
Darüber hinaus war das Gericht überzeugt, dass der Angeklagte in den Jahren 2020 und 2021 seine damalige Verlobte in drei Fällen sexuell nötigte. Die Taten ereigneten sich in einem Hotelzimmer in Peking. Die Frau war sediert – also bewusstlos – und teilweise waren weitere Männer beteiligt. Die Verlobte machte keine Angaben zu den Vorfällen.
Ermittlungen gegen chinesisches Netzwerk
Dem Verfahren vorausgegangen waren Ermittlungen in mehreren Bundesländern gegen ein Netzwerk überwiegend chinesischer Männer. Auslöser war eine Meldung des hessischen Landeskriminalamts. Bei der Auswertung von Daten wurde der Angeklagte als Teilnehmer des Gruppenchats identifiziert. Eine Durchsuchung förderte mehrere Videodateien zutage, die laut Anklage die Taten aus den Jahren 2020 und 2021 zeigen. Der 32-Jährige befindet sich seit September 2025 in Untersuchungshaft.
Urteil noch nicht rechtskräftig
Das Gericht folgte mit dem Urteil dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigung hatte auf eine zweijährige Bewährungsstrafe plädiert. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der Fall hat in der chinesischen Community und darüber hinaus für Aufsehen gesorgt: Tausende Frauen diskutieren den Fall auch in sozialen Netzwerken Chinas, obwohl diese stark zensiert sind. Das Netzwerk nannte sich selbst „Fahrschule für Experten“.



