Der größte Erfolg der Vereinsgeschichte der Füchse Berlin bekam ein kurioses Nachspiel. Die Meisterschale, der Triumph der Berliner Handballer, war plötzlich spurlos verschwunden. Nur wenige Monate nach dem historischen Titelgewinn soll am 18. November 2025 ein Serien-Einbrecher die silberne Trophäe (2,9 Kilo, 46 cm Durchmesser, 9,25 Sterlingsilber, Wert 12.000 Euro) aus der Geschäftsstelle am Gendarmenmarkt gestohlen haben. Jetzt sitzt der mutmaßliche Täter auf der Anklagebank.
Angeklagter Oliver H. – ein vorbestrafter Serientäter
Knapp zwei Monate nach dem Diebstahl wurde der mutmaßliche Täter gefasst: Oliver H. (42) aus dem Berliner Bezirk Friedrichshain, als Dieb vielfach vorbestraft. Jetzt wird ihm vor dem Berliner Landgericht der Prozess gemacht. Nicht nur für die Meisterschale. Insgesamt 25-mal zwischen 2023 und 2026 soll er sich mit selbst hergestellten Schlüsseln Zugang zu Geschäfts- und Gewerberäumen verschafft haben. Auf der Suche nach Wertgegenständen, Bargeld und EC-Karten. Weil er dabei so gut wie keine Spuren hinterließ, gerieten zunächst oft Mitarbeiter oder Reinigungspersonal in Verdacht. Bis Überwachungskameras, so auch im November bei den Füchsen, den Angeklagten einfingen. Es folgte die Verhaftung im Januar 2026.
Schweigen zum Prozessauftakt
In seinem grünen Longshirt, den Kopf in die Hände gestützt, das jungenhafte Gesicht freundlich und aufmerksam, hört er am Montag dem Staatsanwalt zu. Der ihm gewerbsmäßigen Diebstahl im besonders schweren Fall, gewerbsmäßigen Computerbetrug sowie Fahren ohne Führerschein vorwirft. Es beginnt am 22. Februar 2023 im Bürgeramt Köpenick mit dem Klau von 145 vorläufigen Reisepässen, 34 internationalen Führerscheinen, einem Notebook für 1024 Euro. Es folgen Einbrüche in Geschäfte und Gewerberäume stadtweit. Die Beute neben Bargeld und EC-Karten (mit denen 81.000 Euro abgehoben wurden): eine 1 200-Euro-Uhr, eine Fahrzeugsimulationsbox für knapp 17.000 Euro, 37 Füller bzw. Kugelschreiber von Montblanc und Faber-Castell für 40.000 Euro, eine Flasche Champagner für 250 Euro, in einer Filmfirma eine Polizeiuniform für Dreharbeiten, in der Humboldt-Uni Kamera- und Videotechnik für 6580 Euro.
Einbrüche auch bei den Füchsen Berlin
Bei den Handball-Füchsen soll der Angeklagte schon zuvor am 15. September 2025 heimlich eingestiegen sein und 8200 Euro gestohlen haben. Und beim zweiten Besuch neben der Meistertrophäe sogar 16.100 Euro und einen Rimowa-Koffer.
Die Meisterschale taucht wieder auf
Die Schale blieb monatelang verschollen. Zwischenzeitlich gab es schon die Befürchtung, dass der bei der Durchsuchung der Wohnung des Angeklagten gefundene Silberbarren Teile der eingeschmolzenen Schale enthält. Bis sie im März 2026 bei einer Generalinventur im Keller der Füchse-Geschäftsstelle hinter Kartons entdeckt wurde. Der Staatsanwalt: „Sie wurde zuvor dort für den späteren weiteren Abtransport für Dritte nicht erreichbar versteckt und zwischengelagert.“ Vom Angeklagten? Der wollte zu Prozess-Auftakt „zunächst von seinem Schweigerecht Gebrauch“ machen, und erst mit seinem Anwalt das Verständigungsangebot des Gerichts (zwischen 6,9 und 7,9 Jahre Haft bei umfassendem Geständnis) überdenken. Fortsetzung: Donnerstag, 9. Juli.



