Im Prozess um den gewaltsamen Tod des achtjährigen Fabian aus Güstrow haben die Eltern des Jungen am Dienstag stundenlang vor Gericht ausgesagt. Die Mutter und der getrennt von ihr lebende Vater schilderten ihren Sohn als liebevoll, zuverlässig und aufgeschlossen. Die 31-jährige Einzelhandelskauffrau sagte: „Ich kann einfach nur sagen, dass ich wahnsinnig stolz auf ihn war.“
Die Angeklagte, die Ex-Freundin des Vaters, soll Fabian am 10. Oktober 2025 heimtückisch ermordet haben. Sie war mit dem Vater rund vier Jahre lang bis August 2025 in einer Beziehung. Fabian war oft tagelang bei ihnen und sah in der Angeklagten laut Vater eine Mutter, die er öfter „Mama“ nannte. Die Mutter des Jungen wandte sich in ihrer Aussage direkt an die Angeklagte und sagte, sie könne nicht verstehen, warum. Der Richter unterbrach die Sitzung für zehn Minuten.
Die Mutter äußerte sich auch über die Beziehung zum Vater, von dem sie sich Ende 2018 trennte. Er habe sich liebevoll um Fabian gekümmert. 2021 begann der Vater die Beziehung zur Angeklagten. Nachdem Fabian gesehen hatte, wie der Vater die Freundin schlug, wollte er nicht mehr dorthin. Es gab einen Kontaktabbruch von rund eineinhalb Jahren. Erst im August 2025 lebte der Kontakt wieder auf.
Eine wiederkehrende Frage war, ob der Vater gewalttätig war. Die Angeklagte hatte in Chats von einem gebrochenen Arm und fast gebrochenen Rippen geschrieben. Der Vater wies dies zurück. Die Staatsanwaltschaft sieht Beziehungsprobleme als zentrales Tatmotiv: Die Angeklagte habe mit der Tötung des Jungen einen Streitpunkt in der Beziehung aus dem Weg räumen wollen.
Fabians Mutter hat keinen Kontakt mehr zum Vater, weil er die Angeklagte in der Justizvollzugsanstalt besuchte. „Damit komme ich nicht zurecht. Ich will keinen Kontakt mehr“, sagte sie. Der Vater beschrieb die Angeklagte als einfühlsam, emphatisch, liebevoll, mit starkem Charakter – und eifersüchtig. Die Angeklagte lächelte mehrmals während der Aussage des Vaters.
Ein kurzer Audio-Mitschnitt eines Gesprächs zwischen der Angeklagten und dem Vater vom Dezember 2024 wurde vorgespielt. Die Angeklagte verfolgte die Aussage der Mutter weitgehend ohne äußere Reaktionen. Sie will sich nach Angaben ihrer Anwälte zunächst nicht äußern. Der Prozess wird fortgesetzt.



