In Leingarten bei Heilbronn hat eine 26-jährige Mutter am Samstagabend ihrer zweijährigen Tochter das Leben gerettet, indem sie den Kinderwagen im letzten Moment von den Gleisen stieß. Sekunden später wurde sie selbst von einem Regionalexpress erfasst und starb noch am Unfallort. Die Polizei ermittelt, ob die Ampel am Bahnübergang zum Zeitpunkt des Unglücks defekt war oder die Frau das Rotlicht übersehen hatte.
Unfallhergang am Samstagabend
Der tödliche Unfall ereignete sich gegen 19.45 Uhr am Ortsrand von Leingarten, einer Gemeinde mit rund 11.600 Einwohnern westlich von Heilbronn in Baden-Württemberg. Die junge Mutter war mit dem Kinderwagen auf dem Weg zu einem Bahnübergang, der als einziger von vier Übergängen im Ort nicht doppelt gesichert ist. Während die anderen Bahnübergänge zusätzlich zu Ampeln auch Schranken oder einen sogenannten Z-Übergang besitzen, führt dieser Übergang nach wenigen Schritten ungehindert auf die Gleise.
Lokführer zog Notbremse – zu spät
Die 26-Jährige lief mit dem Kinderwagen direkt vor den heranrollenden Regionalexpress RE45, der von Heilbronn nach Karlsruhe unterwegs war. Der Lokführer zog sofort die Notbremse, doch der Zug war zu schnell und der Bremsweg zu kurz. Im letzten Moment begriff die Mutter die Gefahr und stieß den Kinderwagen von den Gleisen. „Im letzten Moment stieß die Frau den Kinderwagen von den Gleisen, dann wurde sie vom Zug erfasst“, sagte Polizeiführer Thomas Schuster zu BILD. Das zweijährige Mädchen überlebte unverletzt, die Mutter starb noch im Gleisbett.
Ermittlungen zur Ampelanlage
Die Polizei untersucht nun, ob die Ampel am Bahnübergang zum Unfallzeitpunkt ausgefallen war oder ob die Frau das Rotlicht missachtet hatte. „Wir ermitteln derzeit, ob die Ampel ausgefallen war oder ob die Frau nicht aufgepasst hatte“, so Schuster. Am Sonntag funktionierte die Ampel nachweislich: Ein BILD-Reporter beobachtete, wie das Signal auf Rot sprang und ein Signalton ertönte, kurz bevor eine Stadtbahn kam. Ob die Anlage auch am Samstagabend einwandfrei arbeitete, muss noch geklärt werden.
Rettungskräfte im Einsatz
Feuerwehr und Polizei sicherten die Unglücksstelle ab, während Rettungskräfte sich um die 43 Passagiere im Zug kümmerten. Keiner von ihnen wurde verletzt. Die zweijährige Tochter wurde von den Einsatzkräften betreut und später in Obhut genommen. Die Gemeinde Leingarten steht unter Schock: Der Bahnübergang, an dem die Mutter starb, ist seit langem als Gefahrenpunkt bekannt. Anwohner fordern seit Jahren eine Nachrüstung mit Schranken oder anderen Sicherungssystemen.



