Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) schlägt Alarm: Immer häufiger bleiben verletzte Berliner Polizisten auf den Kosten für ihre medizinische Behandlung sitzen. Laut GdP handelt es sich um eine wachsende Versorgungslücke, die durch bürokratische Hürden und unzureichende Regelungen entsteht. Betroffen sind Beamte, die bei Einsätzen verletzt werden und deren Behandlungskosten nicht vollständig von der Unfallkasse oder dem Dienstherrn übernommen werden.
Hintergrund: Dienstunfälle und Kostenübernahme
Grundsätzlich sind Polizisten bei Dienstunfällen über die gesetzliche Unfallversicherung abgesichert. Doch in der Praxis klafft eine Lücke: Nicht alle Behandlungen werden als „unfallbedingt“ anerkannt. Besonders bei psychischen Folgeschäden oder chronischen Beschwerden, die sich erst Monate nach dem Einsatz zeigen, lehnen die Kostenträger häufig ab. „Wir erleben immer wieder, dass Kollegen nach einem Einsatz mit Verletzungen wie Bisswunden, Prellungen oder Knochenbrüchen zunächst aus eigener Tasche zahlen müssen, weil die Zuständigkeit zwischen verschiedenen Behörden hin- und hergeschoben wird“, erklärte ein Sprecher der GdP Berlin.
Konkrete Fälle und Forderungen
Die GdP berichtet von einem Fall, in dem ein Polizist nach einem Einsatz mit einem Messerattentäter schwer verletzt wurde. Obwohl die Akutversorgung übernommen wurde, musste er für die anschließende Physiotherapie und psychologische Betreuung selbst aufkommen – insgesamt über 2.000 Euro. „Das ist untragbar. Wer im Dienst für die Sicherheit der Bürger sein Leben riskiert, darf nicht auch noch finanziell belastet werden“, so der Sprecher weiter. Die GdP fordert eine gesetzliche Klarstellung, dass alle medizinisch notwendigen Folgemaßnahmen eines Dienstunfalls automatisch und vollständig übernommen werden. Zudem solle die Finanzverwaltung verpflichtet werden, Anträge innerhalb von zwei Wochen zu bearbeiten.
Reaktion der Finanzverwaltung
Die Berliner Finanzverwaltung weist die Kritik zurück. Ein Sprecher betonte, dass die Bearbeitung von Anträgen nach festen gesetzlichen Vorgaben erfolge. „Wir prüfen jeden Einzelfall sorgfältig. Verzögerungen entstehen oft durch unvollständige Unterlagen oder medizinische Gutachten, die eingeholt werden müssen.“ Man arbeite daran, die Prozesse zu beschleunigen. Die GdP hält dem entgegen, dass die Verwaltung selbst bei vollständigen Unterlagen häufig zu lange brauche und dass die Ablehnungsquote in den letzten Jahren gestiegen sei.
Auswirkungen auf die Polizeiarbeit
Die steigende Zahl von Fällen, in denen Polizisten auf Kosten sitzen bleiben, hat nach Ansicht der GdP auch negative Folgen für die Einsatzbereitschaft. „Wenn Kollegen Angst haben müssen, nach einem Einsatz finanziell belastet zu werden, dann leidet darunter die Motivation und letztlich die Sicherheit der Bürger“, warnte der GdP-Sprecher. Die Gewerkschaft fordert daher nicht nur eine bessere Kostenübernahme, sondern auch eine Reform des Dienstunfallrechts, das psychische Traumata stärker berücksichtigt.
Politischer Druck wächst
Mehrere Abgeordnete des Berliner Abgeordnetenhauses haben sich bereits hinter die Forderungen der GdP gestellt. Eine Anfrage der SPD-Fraktion ergab, dass allein im Jahr 2025 über 300 Anträge auf Kostenübernahme abgelehnt oder nur teilweise bewilligt wurden. Die Innenverwaltung kündigte an, das Thema mit der Finanzverwaltung zu besprechen. Ob und wann eine gesetzliche Neuregelung kommt, ist jedoch offen.



