Schongau: Schüler retten Mädchen mit T-Shirt-Druckverbänden nach Messerattacke
Schüler retten Mädchen mit T-Shirt-Druckverbänden

In Schongau haben Schüler mit T-Shirts als lebensrettenden Druckverbänden nach einer Messerattacke zwei 13-jährige Mädchen geholfen. Ein 16-jähriger ehemaliger Schüler soll die beiden Mädchen niedergestochen haben. Er sitzt nun in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft München II ermittelt gegen ihn wegen versuchten Mordes.

Schüler handeln geistesgegenwärtig

Mehrere Schüler eilten sofort zu Hilfe und starteten die Erstversorgung noch vor dem Eintreffen der Rettungskräfte. Der 19-jährige Levi Lachmann berichtete: „Die Ersten haben gleich Rettungskräfte und Polizei angerufen. Mitschüler von mir, ich hab auch gleich natürlich mitgeholfen, haben ihre Hemden und Shirts von sich gerissen, haben sie als Druckverbände benutzt, um die Blutungen zu stillen. Alles mit voller Kraft draufgedrückt.“ Er und andere Schüler holten dann Sanitätssets aus ihren Autos und sterile Kompressen aus dem Sanitätsraum, um die Wunden zu versorgen.

Lehrkräfte überwältigen Angreifer

Der 16-jährige mutmaßliche Angreifer führte neben einem Messer auch eine Pistole mit sich. Polizei und Lehrkräfte überwältigten ihn. Polizeipressesprecher Stefan Sonntag lobte das Eingreifen der Lehrer: „Auch dem couragierten Eingreifen von Lehrern ist zu verdanken, dass er so schnell festgenommen werden konnte.“ Der Jugendliche soll sich bei der Tat in einer „psychischen Ausnahmesituation“ befunden haben und war zumindest zeitweise in psychiatrischer Behandlung. Er war den Sicherheitsbehörden bereits bekannt: Wegen zweier Vorfälle aus dem Jahr 2025 hatte die Staatsanwaltschaft München II gegen ihn ermittelt, weil er unter anderem Mitschüler bedroht und in sozialen Netzwerken Amokläufe verherrlicht haben soll. Haftgründe hätten in diesem Verfahren „zu keinem Zeitpunkt“ vorgelegen.

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Waffe aus dem 3D-Drucker?

Die Ermittler stellten das Messer, eine Pistole und Munition sicher. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur prüfen sie, ob es sich bei der Schusswaffe, mit der der mutmaßliche Täter einen Schuss abgab, der dann versagte, um eine per 3D-Drucker hergestellte Waffe handelt. Der 16-Jährige gab an, die Waffe im Darknet besorgt zu haben. Die Ermittler stellten eine geringe Zahl an Patronen sicher. Die Waffe wurde in einem Rucksack gefunden, den der Jugendliche nach der Tat auf dem Schulhof deponiert hatte. Er wies die Polizeibeamten nach seiner Festnahme selbst darauf hin. Bei dem Messer handelt es sich nicht um ein Haushaltsmesser.

Kultusministerin nennt Schüler „Helden“

Kultusministerin Anna Stolz (Freie Wähler) besuchte die Schule und sagte der Schulfamilie jede erdenkliche Unterstützung zu. Sie bedankte sich bei den beiden Lehrkräften, die den Täter überwältigten, und bei den Schülern, die den verletzten Mädchen halfen. „Eines der Mädchen wäre sehr wahrscheinlich verblutet, wenn sie das nicht gemacht hätten. Also die haben ihr wahrscheinlich das Leben gerettet“, sagte Stolz der dpa. „Das sind echte Helden für mich.“

Bürgermeister: „Schwarzer Tag für Schongau“

Bürgermeister Thomas Schleich äußerte sich erschüttert: „Es ist ein schwarzer Tag für Schongau.“ Er sagte: „Wir werden im Rathaus greifbar sein für Leute, die einen Ansprechpartner brauchen.“ Man könne unter anderem Kontakte herstellen, etwa wenn Menschen Betreuung bräuchten. „Man ist aufs Mark getroffen. Man macht sich viele Gedanken“, so der Bürgermeister, der selbst Vater von drei Kindern ist, von denen zwei die Schule besuchen.

Ersthelfer unter Adrenalin

Der 19-jährige Ersthelfer Lachmann sagte, er sei erleichtert gewesen, als die Polizei eintraf. Angst hätten er und die anderen zunächst nicht gehabt: „Wir standen alle unter Adrenalin.“ Erst später sei langsam das Bewusstsein für das Geschehene gekommen. „Ich weiß nicht, ob ich das wirklich schon an mich herangelassen habe, was da passiert ist. Ich denke, das kommt mit der Zeit.“ Er spreche viel mit seiner Familie, aber auch mit Lehrern und dem Kriseninterventionsteam. „Gestern, der Tag, der bleibt unvergesslich.“ Auf die Frage nach der Vorbereitung der Schüler auf solche Notfälle sagte Lachmann, die Schülerschaft sei sensibilisiert worden, aber: „Für solche Notfälle kann man nicht vorbereitet sein. Das ist ein Extremfall.“

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Ermittlungen und Spurenauswertung

Die Wohnung des 16-Jährigen, der bei seinen Eltern lebte, wurde durchsucht. Die Auswertung der Spuren, darunter auch digitale Daten, läuft. Zudem werden Schüler und Lehrkräfte vernommen. Auch die beiden schwer verletzten Mädchen sollen befragt werden, wenn es ihr Zustand zulässt. Kriseninterventionsteams helfen Schülern und Lehrern, das Erlebte zu verarbeiten. Die Schule mit 800 Schülern und 80 Lehrkräften versucht, zur Normalität zurückzukehren.