Nach der mutmaßlichen Amoktat am Welfen-Gymnasium im oberbayerischen Schongau geht die Schule am Donnerstag wieder ihren normalen Betrieb auf. Kriseninterventionsteams stehen für Gespräche bereit, um Schülern und Lehrern bei der Verarbeitung der Ereignisse vom Mittwoch zu helfen. Einige Schüler erlebten hautnah, wie ein ehemaliger Mitschüler das Schulgelände betrat, einen Schuss aus einer Pistole abgab und dann, als die Waffe versagte, mit einem Messer auf zwei 13-jährige Mädchen losging.
Täter in Untersuchungshaft – Psychische Ausnahmesituation
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) bestätigte, dass der mutmaßliche Täter in Untersuchungshaft sitzt. „Die Ermittlungen laufen, der Täter ist in Untersuchungshaft, die entsprechenden Verfahren finden statt“, sagte Dobrindt in Schongau. Man gehe von einer Amoktat aus. „Wir gehen weiter davon aus, dass es sich um eine psychische Ausnahmesituation gehandelt hat.“ Bei dem 16-jährigen Tatverdächtigen handelt es sich um einen ehemaligen Schüler des Gymnasiums. Dobrindt betonte: „Die beiden Opfer, die schwerstverletzten Mädchen, sind nach unserer Einschätzung zufällige Opfer, die in dem Moment in seine Schreckensbahn gekommen sind.“
Ablauf der Tat: Schuss, Versagen der Waffe, Messerangriff
„Der Täter hat sich dem Gymnasium mit einer Schusswaffe genähert, hat einen Schuss abgegeben, der niemanden verletzt hat“, erläuterte Dobrindt. „Anschließend hat die Schusswaffe versagt, sodass keine weiteren Schüsse abgegeben werden konnten.“ Daraufhin zog der Jugendliche ein Messer und attackierte die beiden Mädchen. Die beiden 13-Jährigen wurden so schwer verletzt, dass eine von ihnen mit einem Rettungshubschrauber in die Klinik geflogen werden musste. Inzwischen sind beide außer Lebensgefahr.
Ermittlungen zu Tatwaffe und Motiv
Wie der 16-Jährige an die Schusswaffe kam und was ihn zu der Tat bewegt haben könnte, sind noch ungeklärte Fragen. Nach Angaben des bayerischen Innenministers Joachim Herrmann (CSU) war der Jugendliche bereits in psychiatrischer Behandlung und möglicherweise schon durch Drohungen aufgefallen. „Auch das muss nun sorgfältig recherchiert werden“, sagte Herrmann. Der 16-Jährige besitzt die kroatische Staatsbürgerschaft und wohnte zuletzt bei seinen Eltern.
Reaktionen der Politik und der Schule
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sprach von einer Amoktat und betonte: „Unsere Gedanken und Gebete sind bei den Verletzten der Amoktat von Schongau. Solch eine schreckliche Tat reißt nicht nur sichtbare, sondern auch viele unsichtbare Wunden. Die Heilung der Seelen wird lange dauern.“ Er dankte der Polizei und den Rettungsorganisationen für ihr schnelles Eingreifen. Die Schule mit ihren rund 800 Schülern und 80 Lehrkräften wird weiterhin von Kriseninterventionsteams unterstützt. Eine Anlaufstelle für Angehörige wurde am Feuerwehrhaus eingerichtet. In Bayern laufen die letzten Wochen des Schuljahres; die Abiturienten erhielten ihre Zeugnisse bereits am 26. Juni, die restlichen Schüler folgen am 31. Juli.



