Seit Ende 2024 haben bundesweit gut 10.000 Haushalte im Rahmen einer Aktion der Linken ihre mutmaßlich überhöhten Mieten bei den Behörden gemeldet. Dies geht aus einer Auswertung der Linksfraktion im Bundestag hervor, die ihre vor eineinhalb Jahren gestartete „Mietwucher-App“ analysiert hat. Die App ist mittlerweile in 36 Städten verfügbar und wurde insgesamt rund 303.500 Mal genutzt. In etwa 198.000 Fällen erwiesen sich die überprüften Mieten als überhöht. Dennoch scheuten viele Mieter den Gang zu den Ämtern – aus Angst, ihre Wohnung zu verlieren, so die Linke, die dafür jedoch keinen Beleg liefert.
Offizielle Verfahren in 10.255 Fällen angestoßen
Bei den 10.255 Haushalten, die schließlich ein offizielles Verfahren anstießen, handelt es sich um teils krasse Fälle. Nach Berechnungen der Behörden müssten die Mieten dieser Haushalte im Schnitt um jeweils 250 Euro pro Monat gesenkt werden. In Relation zur Gesamtzahl von gut 21 Millionen Mietverträgen in Deutschland wirkt die Zahl der Wucherfälle jedoch verschwindend gering. Allerdings fehlen dazu genauere wissenschaftliche Untersuchungen.
Jede dritte Meldung aus Berlin
Laut Wirtschaftsstrafgesetz kann eine Ordnungswidrigkeit vorliegen, wenn Mieten um mehr als 20 Prozent über den ortsüblichen Vergleichswerten liegen und der Vermieter die Marktknappheit ausnutzt. Bei einer Überhöhung um mehr als 50 Prozent kann es unter bestimmten Bedingungen sogar eine Straftat sein. Besonders häufig wurde die App in Berlin genutzt: 4658 Mal schalteten dort Mieter die Behörden ein. Im Oktober 2025 wurde in Friedrichshain-Kreuzberg ein Bußgeld von 26.000 Euro und eine Mietrückzahlung von 22.000 Euro durchgesetzt.
Frankfurt am Main besonders strikt
Am striktesten geht Frankfurt am Main vor. Das dortige Wohnungsamt hat seit 2020 mehr als tausend Verfahren geführt und 330.330 Euro Rückzahlungen erwirkt. Allerdings sind die Mietspiegel, die als Grundlage für die Berechnung einer angemessenen Miete dienen, nicht nur in Frankfurt umstritten. „Illegale Mieten müssen gesenkt werden“, erklärte die Abgeordnete Caren Lay. „Die Verfolgung von Mietpreisüberhöhungen durch die Kommunen ist möglich, wird aber immer noch von viel zu wenigen Verwaltungen engagiert betrieben.“ Sie betonte, dass konkrete Meldungen den Stadtverwaltungen helfen.



