Der Berliner Landeselternausschuss (LEA) schlägt Alarm und fordert den Senat zu umfassenden Maßnahmen gegen den anhaltenden Lehrermangel auf. In einem Ende Mai verabschiedeten Beschluss werden konkrete Forderungen erhoben.
Ungleiche Verteilung der Lehrkräfte
„Mit Blick auf den spezifischen Bedarf einzelner Schulen sind Lehrkräfte und weiteres pädagogisches Personal immer noch sehr ungleich über die Stadt verteilt“, heißt es in dem Papier. Die Elternvertreter verlangen daher unter anderem ein besseres Management bei der Zuweisung von Lehrern und eine erweiterte Ausbildung für Quereinsteiger. Die Forderungen sind nicht neu – sie stammen aus einer Liste, die bereits 2018 erstellt wurde. Das zeigt, wie lange Berlin bereits mit dem Lehrermangel kämpft.
Erfolge und Defizite der Bildungssenatorin
Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) hat es in den vergangenen drei Jahren geschafft, den Lehrermangel zu reduzieren. Dies gelang jedoch durch die Einführung multidisziplinärer Teams an Schulen, die es erlauben, Stellen umzuwandeln und etwa Sozialarbeiter statt Lehrer einzustellen. Dennoch bleibt der Lehrermangel in Bezirken wie Spandau und Marzahn-Hellersdorf besonders spürbar.
Forderungen des Landeselternausschusses
Der LEA fordert daher: „Lehrkräfte aus Schulen mit Personalüberhang sollten in Abstimmung mit der jeweiligen Schulleitung wirksam ermutigt werden, an Schulen mit besonders hohem Lehrerbedarf zu wechseln.“ Berlins oberster Elternvertreter Norman Heise bezeichnete dies im Interview mit der Berliner Morgenpost als „freundlichen Druck“. Denn die Personalausstattung variiere stark von Schule zu Schule und Bezirk zu Bezirk. In Marzahn-Hellersdorf etwa gibt es Grundschulen, an denen 50 Prozent oder weniger der Lehrkräfte voll ausgebildete Pädagogen sind. Schulen mit hohem Lehrerbedarf sollten zudem Unterstützung bei der Ausbildung vieler Referendare und Quereinsteiger erhalten, in der Hoffnung, sie an der Schule oder im Bezirk zu halten.
Reform der Quereinsteiger-Ausbildung
„Berlin steht vor einem dauerhaften strukturellen Fachkräftemangel – insbesondere in Schulen, öffentlicher Verwaltung, Sozialdiensten und technischen Bereichen“, so das LEA-Papier. „Menschen steigen bereits aus anderen Bereichen in diese Berufe ein, aber oft ungeregelt, inkonsistent und mit hoher individueller Überlastung.“ Um dies zu ändern, schlägt der LEA einen Blick nach Sachsen vor. Dort absolvieren alle Quereinsteiger ein dreimonatiges Trainingsprogramm, bevor sie zum ersten Mal unterrichten. Das Programm variiert je nach Schulform und umfasst Seminare und Unterrichtshospitationen. In Berlin geht der Prozess deutlich schneller. Der LEA fordert die „sofortige Übernahme des sächsischen Ansatzes“.
Reform des Lehramtsstudiums
Bei der Ausbildung angehender Lehrer fordert der LEA unter anderem einen „massiven Ausbau der Studienplätze in Berlin“ und eine „bessere Vorbereitung auf die schulische Realität“. Dazu wünschen sich die Elternvertreter eine Verschiebung der Schwerpunkte im Lehramtsstudium: mehr Pädagogik, mehr Didaktik und eine stärkere Praxisorientierung. Sie fordern zudem deutlich mehr Praxisanteile, die möglichst früh eingeführt werden. Norman Heise spricht von einem „Praxisschock“, den junge Lehrer erleben. Um dies zu verhindern, sollten Referendare früher im Studium vor Schülern stehen – „aber nicht ohne Betreuung“, betont Heise.
Die Senatsverwaltung für Bildung wollte sich zu dem Schreiben des LEA nicht äußern.



