Ein Mitarbeiter der US-Einwanderungsbehörde ICE hat am frühen Dienstagmorgen (Ortszeit) in Houston bei einem Einsatz einen Autofahrer erschossen. Bei dem Getöteten handelt es sich um einen mexikanischen Staatsbürger, der sich laut Behörde illegal in den USA aufgehalten haben soll. Der Vorfall ereignete sich inmitten eines verschärften Vorgehens gegen Migranten und wirft erneut Fragen zur Gewaltanwendung von ICE-Beamten auf.
Hergang laut Behörde: Auto-Attacke und Schüsse in Notwehr
Der Mann habe während einer „gezielten Fahndungsaktion“ versucht, sich der Festnahme zu entziehen, teilte die Behörde mit. Er habe ein Fahrzeug der ICE-Mitarbeiter gerammt, verbale Anweisungen missachtet und versucht, mit seinem Wagen einen Mitarbeiter zu überfahren. Daraufhin habe dieser „in Notwehr“ geschossen. Der Mann sei in einem Krankenhaus seinen Verletzungen erlegen. Warum sich der Getötete Lorenzo Salgado Araujo illegal in den USA aufgehalten haben soll, erklärte die Behörde nicht.
Familie des Opfers widerspricht: Vater auf dem Weg zur Arbeit
Salgados Sohn erklärte auf Facebook, sein „hart arbeitender mexikanischer“ Vater sei auf dem Weg zur Arbeit auf einer Baustelle gewesen, als er getötet wurde. „Mein Vater hat das nicht verdient“, schrieb Ronaldo Salgado. „Mein Vater lebte seit fast 35 Jahren in diesem Land und arbeitete auf dem Bau, um für mich, meine beiden Brüder und meine Mutter zu sorgen.“
Überwachungsaufnahmen und Zeugenaussagen
Aufnahmen einer Überwachungskamera, die die Nachrichtenagentur Reuters einsehen konnte, zeigten eine Person, die nach dem Vorfall neben einem weißen Lieferwagen auf dem Boden lag und von Einsatzkräften umringt war. Ein Sprecher der Feuerwehr von Houston sagte, die Rettungskräfte hätten einen Mann mit einer Schusswunde im Bauch vorgefunden. Die Nachrichtenagentur Reuters konnte die Umstände des Vorfalls oder den Aufenthaltsstatus des Mannes nicht unmittelbar überprüfen.
Politische Reaktionen und Forderungen nach Untersuchung
Die örtliche Kongressabgeordnete Sylvia Garcia forderte eine „vollständige und unparteiische Untersuchung“. Roman Palomares, Präsident der Bürgerrechtsorganisation League of United Latin American Citizens (LULAC), schloss sich der Forderung an. „Wir haben ein Muster von ICE-Beteiligungen an Schießereien und exzessiver Gewaltanwendung gesehen“, sagte er.
Ermittlungen durch FBI und interne Prüfung
Die Bundespolizei FBI soll die Ermittlungen leiten. Die Polizei von Houston ist nach eigenen Angaben nicht beteiligt. Das Heimatschutzministerium hat laut eigenen Angaben interne Ermittlungen wegen der Schussabgabe eingeleitet. Fotos und Videos des Vorfalls wurden von mehreren Zeugen aufgenommen, wie der Sender NBC News berichtete.
Frühere Fälle von ICE-Schießereien wecken Zweifel
Die Angaben zu dem Vorfall lassen sich nicht unabhängig überprüfen. In ähnlichen Fällen zuvor hatten Videoaufnahmen der Einsätze erhebliche Zweifel an den Darstellungen der Behörde aufgeworfen. Im Januar hatten Bundesbeamte die US-Bürger Renée Good und Alex Pretti erschossen. Das Vorgehen hatte für einen landesweiten Aufschrei gesorgt. In beiden Fällen argumentierten die US-Behörden mit Notwehr. Videos zeichneten ein anderes Bild.



