Eine Schule für ehemalige suchtkranke Erwachsene und Jugendliche wird in Berlin-Kreuzberg in den Räumen einer Grundschule untergebracht. Die Entscheidung der Schulleitung sorgt für Unmut bei den Eltern, die sich übergangen fühlen und ein Schutzkonzept fordern. Eine Kundgebung ist bereits angemeldet.
Eltern erfahren spät von der Entscheidung
Am Sonntagabend um 22 Uhr informierte die Schulleitung die Eltern per E-Mail darüber, dass ihre Kinder künftig das Schulgelände mit ehemaligen suchtkranken Personen teilen sollen. Viele Eltern zeigten sich entsetzt und fühlen sich nicht ausreichend eingebunden. „Wir wurden völlig überrumpelt. Es gab keine vorherige Diskussion oder Beteiligung“, sagte ein Elternteil der Berliner Zeitung.
Protest und Forderungen der Eltern
Eine Gruppe „besorgter Eltern“ hat eine Kundgebung vor der Schule angemeldet. Sie fordern ein umfassendes Schutzkonzept, das den Kontakt zwischen den Schülern der Grundschule und den ehemaligen Suchtkranken regelt. „Wir müssen uns dagegen wehren, dass unsere Kinder ohne Sicherheitsvorkehrungen mit dieser Gruppe zusammenkommen“, erklärte ein Sprecher der Elterninitiative. Die Schule für ehemalige Suchtkranke suchte verzweifelt nach Räumen in Berlin und fand nun in der Grundschule eine provisorische Lösung.
Hintergrund der Raumnot
Die Schule für ehemalige suchtkranke Erwachsene und Jugendliche war zuvor in anderen Räumlichkeiten untergebracht, musste diese jedoch aufgeben. Der Bedarf an solchen Einrichtungen ist in Berlin hoch, doch geeignete Räume sind knapp. Die Unterbringung in der Grundschule soll eine Übergangslösung sein, bis ein neuer Standort gefunden ist. Die Schulleitung betont, dass die ehemaligen Suchtkranken pädagogisch betreut werden und keine Gefahr für die Grundschüler darstellten.
Reaktionen aus der Politik
Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg zeigte sich überrascht von der Entscheidung. „Wir wurden nicht vorab informiert“, sagte eine Sprecherin des Bezirksamts. Man werde nun prüfen, ob die Unterbringung rechtlich zulässig sei. Die Schulsenatsverwaltung verwies auf die Zuständigkeit des Bezirks und betonte, dass die Schule für Suchtkranke eine wichtige Einrichtung sei. „Integration und Inklusion sind zentrale Werte unseres Bildungssystems“, so ein Sprecher.
Ausblick und nächste Schritte
Die Eltern planen, ihre Forderungen bei einem Treffen mit der Schulleitung und Vertretern des Bezirks vorzubringen. Sie wollen erreichen, dass ein Schutzkonzept erarbeitet wird, bevor die ehemaligen Suchtkranken das Gelände betreten. „Wir sind nicht grundsätzlich gegen die Einrichtung, aber wir brauchen klare Regeln und Sicherheit für unsere Kinder“, sagte ein Elternteil. Die Schule für Suchtkranke hofft, dass die Räume in der Grundschule nur vorübergehend genutzt werden müssen.



