Ein 79-jähriger Rentner aus Pullach bei München hat zum vierten Mal Betrüger überführt und der Polizei die Festnahme von Kriminellen ermöglicht. Bruno Schmaus, so der Name des Seniors, gelang dies am Montag, als ein Schockanrufer vorgab, sein Sohn zu sein, der einen tödlichen Verkehrsunfall verursacht habe. Der angebliche Polizeibeamte forderte 80.000 Euro Kaution. Schmaus durchschaute den Trick sofort und hielt den Anrufer hin, bis die Polizei den 21-jährigen Abholer bei der fingierten Übergabe festnehmen konnte.
Ein geborener Schauspieler
Schmaus spielt seine Rolle überzeugend: Mit weinerlicher Stimme klagt er über Sehprobleme und eine kaputte Wirbelsäule, um die Betrüger hinzuhalten. „Wissen Sie, ich sehe fast nichts mehr, ich habe sechs Dioptrien“, täuschte er vor. Diese schauspielerische Leistung lobte auch Markus Nothelfer, stellvertretender Leiter des für Callcenter-Betrug zuständigen Kommissariats der Münchner Polizei: „Herr Schmaus hat das mit großer Bravour und großer schauspielerischer Leistung gemacht.“ Doch Nothelfer warnt: „Mitzuspielen ist gar nicht so einfach, weil man sehr viel wissen muss, sehr viel beachten muss, und weil die sehr schnell erkennen, dass man sie an der Nase herumführt.“
Erfahrung mit Betrügern
Schmaus hat bereits vor rund 20 Jahren erste Erfahrungen mit Internetbetrug gemacht, darunter eine vermeintliche Online-Geliebte aus Thailand. 2014 scheiterte ein Enkeltrick-Versuch, weil der Abholer die Adresse nicht fand. Später gelang die Festnahme einer Abholerin, die er mit gespielter Demenz in die Falle lockte. Weitere Erfolge waren die Festnahme zweier Teppichhändler und 2023 die Festnahme einer Schockanruf-Abholerin, die zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt wurde.
Polizei rät zur Vorsicht
Trotz Schmaus' Erfolgen rät die Polizei dringend davon ab, Betrügern etwas vorzuspielen. „Es ist täterseitig von bandenmäßigem und strukturiertem Vorgehen, einhergehend mit einer immer weiter fortschreitenden Professionalisierung insbesondere auch im Hinblick auf konspiratives Verhalten auszugehen“, erklärt das Bayerische Landeskriminalamt. Stattdessen solle man sofort auflegen und Anzeige erstatten. Die häufigsten Maschen sind „falscher Amtsträger“, Enkeltrick und Schockanrufe, die oft aus dem Ausland gesteuert werden. Auch bei Schmaus' letztem Fall stammte die Anrufernummer aus dem Ausland – dieselbe, mit der zuvor ein Bestatter beauftragt wurde, um Schmaus' Leiche abzuholen.



